Dienstag, 26. November 2013

Lapis electricus

Schwarzer Turmalin, Eisenturmalin oder Schörl genannt, ist ein auch in Deutschland häufiges Mineral, das in den Alpen und in (ehemaligen) Erzbergbaugegenden vorkommt.

Es wurde die längste Zeit recht undifferenziert zusammen mit anderen faserigen Mineralien als Abraum und taubes Gestein verworfen, 'Schörl' war eine Art Sammelbegriff dafür.

Im abgerollten Zustand sah manch schwarzer Turmalin-Brocken wohl aus wie ein Zinnstein und enttäuschte so die Bergleute. Zwar wurden Einzelkristalle seit jeher als Aschezieher zur Pfeifenreinigung verwendet, als Mineral an sich hatte er aber scheinbar keine grössere Bedeutung.



Erst als Schörl aufgrund seiner elektromagnetischen Eigenschaften in grösserem Unfang nützlich wurde, etwa zum Einsatz in frühen Industriefiltern, wurde er auch wirtschaftlich interessant. Und das ist er heute auch wieder, abermals zum Asche ziehen, nämlich aus den Taschen leichtgläubiger Wellness-Leute.

Es gibt teure Nanopulver, Kissen, Powerschmuck, Energiesteine, find ich am skurrilsten, und angebliche "Detox"pflaster mit Schörl.

Letztere pappt man sich übernacht auf die Fusssohlen, der Schweiss löst den darin eingearbeiteten Tee an und färbt das Pflaster braun, das sind dann die "ausgeschiedenen Schlacken".
(Das Pflaster bleibt erst dann hell, wenn man sich so sehr ans nächtliche Sockentragen gewöhnt hat, dass man dabei nicht mehr schwitzt. Mensch hält sich dann für entgiftet und ists zufrieden.)



Schörlkristalle in Quarz

Hier zu den praktischen, im Lauf des letzten Jahres erprobten Pflege- Anwendungen:

Schörlkristalle haben einen regenerativen, beruhigenden Effekt auf Haut- und Haar. Sie helfen nicht nur bei störrischer, fliegender Mähne, sondern auch bei gereizter oder atrophischer Kopfhaut und anderen Hautstellen, die altersdünn, trocken oder sonstwie minderversorgt sind.
Die Durchblutung wird verbessert, das Abschilfern, Schuppen und das Spannungsgefühl lässt nach, ohne die Anwendung von Öl oder Fett, das man bei Schörlpflege höchstens als Binder verwendet.

Vor allem aber ohne den Einsatz von Harnstoff (Urea) oder Hyaluronsäure, die beide durch ihre hohe Wasserbindungskraft die oberen Hautschichten quellen lassen und auf Dauer immer pflegebedürtiger machen. Deshalb gibts fast keine Pflegekosmetik mehr ohne das Zeugs, die Haut gewöhnt sich schnell ans eingekremt werden (müssen)

Im Winter, also bei trockener Raumluft und tiefen Temperaturen draussen, holen diese Säuren die Feuchtigkeit leichter aus den tieferen Zellschichten der Haut als aus der Luft und schwächen so das Epithel.

Schörl dagegen quillt nichts auf und schleust nichts herum, er bildet einfach ein günstiges elektrisches Mikroklima.

Die Herstellung von Schörlpflege ist simpel und billig:

Man nimmt von einem REINEN Schörlkristall ein Bröselchen und verreibt es in einem Mörser*.
Wenns ein kleiner Mörser ist, etwas Öl dazu zum Binden, denn beim trockenem Verreiben fliegen winzige Splitter explosiv davon. 

*Wichtig ist, dass man einen gutes Gerät hat mit eingepasstem Pistill, also mindestens eins aus Hartporzellan mit Härte 8. Das gibts für wenig Geld im Laborbedarf.
Schörl hat die Mohshärte 7 - 7,5, das ist relativ hoch (Diamant = 10). Wenn der Mörser weicher ist, gewinnt der Schörl die Verreibung, und wenns Pistill nicht passt, dauert es ewig und ist ein freudloses Gemurkse.


So sieht ein etwa 1 Kubikmillimeter- Brösel nach ca. 5 Minuten Verreiben aus, in natura noch blaugrüner. Schörl ist im Dünnschnitt niemals schwarz.

Für ein Haarwasser muss er gar nicht feiner werden, er setzt sich eh in jeder Stärke am Flaschenboden ab und wird vor dem Auftrag aufgeschüttelt. Haare und Haarboden nehmen sich, was sie brauchen, der Rest fällt raus.
Nach der Massage in die Längen gekämmt, verhindert der Schörl die elektrostatische Aufladung des Haars und glättet dessen Schuppenschicht. Das lässt es glänzen und macht es weniger aufnahmefähig für Fremdgerüche und Feuchtigkeit. 

Das ist besonders für Flachs- und Kraushaarige, die sich ihre Antennen nicht mit Silikon- und Mikroölen verstauchen wollen, ein Thema.

Für eine Hautcreme empfiehlt es sich, das Ergebnis in eine Allzweckkrem wie Nivea, Florena o.ä., oder einer weniger fetten Öl-in-Wasser- Emulsion beizumischen.
Bei flüssigen Konsistenzen vor jedem Auftrag schütteln, das wars. Die ausgleichende Wirkung ist sofort spürbar. Gereizte Stellen fühlen sich gekühlt an, kalte Stellen werden warm. 
Klappt auch bei Sonnenbrand, nur bei Blasenbildung und verletzter Haut ist es m. E. gescheiter, zu anderen Mitteln zu greifen.

Man kann dann Umschläge mit Schörlwasser (Wasser, das über einen Schörl gelaufen ist oder in dem  ein reiner Stein eingelegt war) versuchen bzw. bei kleineren Stellen einfach mit dem nassen Stein drüberstreichen. 
Der Schörl nimmt Wasserstoffionen auf und verschiebt damit den pH Wert leicht ins Alkalische. Dabei fällt vermehrt der Kalk aus, das Wasser wird 'weich' (angeblich auch leicht, d.h. Deuterium- frei, furchtbar gsund? – keine Ahnung.) 

Jedenfalls schmeckt Schörlwasser deutlich anders als Leitungswasser ohne Stein, ein Effekt, den ich bei Bergkristall oder Rosenquarz z.B. nicht feststellen konnte.

Alle diese Effekte beruhen, durch die Brille der Wissenschaft, auf den pyro- und piezoelektrischen Eigenschaften des Schörls. 
Wird der Kristall also erwärmt oder verformt (wie die zermahlenen Kristalle beim Einkremen), bildet er Pole, und an seinen Oberflächen tritt eine elektrische Spannung auf, dabei fliesst ein Strömchen von 0,06 mA. (zum Vergleich: in peripheren Nerven sinds 3 - 20 mA)
Ein Schörlkristall schwingt, so stehts geschrieben, mit einer Wellenlänge von 2 - 25 Mikrometer (10^-6 m) das entspricht mittlerer bis langwelliger Infrarotstrahlung.

Ergo, wenn man einen Schörl "aufladen" will, reicht es, ihn in die Hand zu nehmen. Die Wärme setzt schon Ladung frei, beim Temperaturunterschied von aussen nach innen tritt eh zusätzlich eine Verformung auf.

Schörl/Turmalin hat eine 6er- Ringstruktur, im Dünnschnitt sieht man auch beim Schörl turmaline Farben und ineinandergeschachtelte Dreiecke innen, gebildet von vielen Säulchen, die oft (nicht immer) an der Oberfläche der Stufe sichtbar sind. 

Ein Schwingquarz zu sein, wie der Schörl, ist energetisch das Höchste, was ein Siliziummineral erinnert von seiner Herkunft, einstigem organischem Leben, in Form von Pflanzen, Algen und Urtierchen. 
Im Puls ähnelt er, von seiner kristallenen Präzision abgesehen, organischen Zellen; in der hohen Eigenfrequenz dem Licht.

Man vergleiche die Mikrostruktur von Pflanzen, die Skelette von Radiolarien mit der Mikrostruktur des Turmalins oder anderer Ringsilikate: Smaragd, Aquamarin, Chrysokoll... 


Zillertaler Naturbursch, Aktinolith

Ein Wort noch zu Mineralienpulver in (m. E. fraglicher) Nano-Aufbereitung zur Einnahme. Auch Turmalin/Schörl wurde in dieser Form angeboten, also in extrem winzigen Partikeln, die, falls wirklich 'nano', vom Organismus gar nicht mehr als solche erkannt werden und alle Gewebsgrenzen ignorieren.

Ich würde mich erstens schön hüten, absichtlich irgendein ein Nano-Produkt zu mir zu nehmen, sei es innerlich oder äusserlich, und zweitens ein irgendwo von irgendwem vermahlenes Mineral zu verspeisen, das gerne zusammen mit asbesthaltigem Gestein vorkommt, wie z. B. in dem Brocken im obigem Foto.