Mittwoch, 18. März 2015

Aronstab und Mond- Mars, verschärft


Am Mangfallknie, einem quellreichen Kalktuffgebiet auf einer Breite von 28° Krebs, Mars-Pluto nach Döbereiner, ist der Boden schon weitgehend aper und der Aronstab treibt in den Wäldern.

Die geschützte Pflanze war früher vereinzelt an den zahlreichen Hangquellfassungen zu finden, jedes Jahr wurde sie häufiger, und heuer treibt sie gebietsweise so massenhaft wie der Bärlauch hier in den Isarauen.


Der Aronstab ist sehr scharf, zumindest im frischen Zustand. Die Wurzel zieht sogar Blasen auf der Haut.
Man merkt die Schärfe nicht gleich, dafür aber heftig, wenn man ein Stück Blatt kaut.

Es sind die kleinen Oxalatsäure- Kristalle, die einen splittrig- stechenden und länger anhaltenden Schmerz verursachen und ihre Wirkung erst nach ein paar Augenblicken, mit ihrer Auflösung im Epithel der Schleimhaut, freisetzen.
Er macht ein flirrendes Gefühl im Mund, es geht erst nach ca. einer halben Stunde weg, zumindest bei mir.



In der Pflanzenheilkunde ist er so gut wie vergessen. Früher kamen Blätter und Wurzel in starker Verdünnung bei fressenden Wunden, Schleimhautläsionen und aphtösen Entzündungen zum Einsatz. 

Nach anfänglichem Über-Reiz führt er zu einer leichten lokalen Betäubung, was auch bei juckenden Wunden oder Hautausschlägen Erleichterung bringt. 
(Und wieder gilt: Don't try this at home. Und schon gar nicht out and about, denn heftige allergische Reaktionen sind ebenfalls möglich.)

Manche Sänger schwören immer noch auf den Blattsaft, individuell und geringst dosiert, als Balsam für die Stimmbänder, prophylaktisch, aber auch nach Überanstrengung, sprich Kehlkopfreizung und Heiserkeit. 
Getrocknet oder gekocht verliert sich die Wirkung.

In der Homöopathie ist das Leitsymptom "zupft so lange an den  Lippen (/Nase/Fingern) herum, bis es blutet" und wird am besten in seltenen Gaben gegeben, da er, sowohl als Arum triphyllum und Arum maculatum (Abbildung oben) tief in den Organismus rauscht.

Die Anthroposophie setzt ihn auch bei Affektionen des Nervensystems mit Konvulsionen und Lähmungserscheinungen ein.
Von Rudolf Steiner gibt es eine Empfehlung gegen Krämpfe und Epilepsie: Arum maculatum und Pteridium aquilinium (Adlerfarn) D3 zu gleichen Teilen (aus: Werner Chr. Simonis, Heilpflanzen und Mysterienpflanzen, S. 141)

Die heilige Hildegard hat die Wirkung des Aronstabs auf den inneren Mond so beschrieben: 

"Aronstab, mit der Wärme des Weins gemischt, nimmt die Kälte des Schleims und vertreibt die Melancholie."

Genauso empfiehlt es Losch' Kräuterbuch. Gegen Magen- und Brustverschleimung wird die Wurzel getrocknet, in Wein gekocht, und dieser warm getrunken.


Die getrocknete und gepulverte Wurzel kommt in die Seife gegen unreine Haut (Losch) oder einfach so ins Akne-Waschwasser. 
(Wobei Akne eine hormonelle und/oder toxisch bedingte Ursache hat und nicht wirklich äusserlich zu behandeln ist.)




Zum Ve/Pl Anteil des Aronstabs: Man sieht der Pflanze in der reifen Form schon an, dass sie Bestäuber locken muss in den Keller ihrer Blüte. 

Die Blüte ist signifikant wärmer als die Umgebung und strömt auch noch einen Geruch von Verwesung und Nierenversagen aus. Damit lockt sie Insekten, Fliegen und Mücken vor allem, die hier etwas Tierisches vermuten.

Sie landen auf dem kelchartigen Hüllblatt, das die Duftwolke des sterilen Kolbens und Wärmeabstrahlung der tieferliegenden Blüten konzentriert, und rutschen dann den Schaft hinunter in den Bulbus, wo sich unten die weiblichen Narben und darüber die männlichen Staubblüten befinden.

Zurück ins Freie können sie erst wieder, wenn das Hüllblatt zu welken beginnt, da ein Haarkranz an der Engstelle den Ausweg versperrt. Beim Rumkrabbeln im Gefängnis befruchten sie nebenbei die Narben und geben damit das Signal zum Welken der "Falle", was dann recht schnell vonstatten geht, worauf die Viechers entkommen können, wenn sie denn ihren Liebesdienst überlebt haben.


Ich finde es bemerkenswert, dass der Aronstab so massenhaft treibt an den Uferhängen der Mangfall.

Das Tuffsteingebiet wird in weiten Teilen drainiert von Quellfassungen für die Wasserleitung zur Stadt München. Um den Trinkwasserschutz zu gewährleisten gibt es strengste Auflagen, die für die Bewohner gelten, aber nicht für den dortigen Bahn- und Autoverkehr, der München anbindet.

Die Stadt, besser ihr Wasser- Moloch, hätte auch andere Brunnenoptionen. Er hat aber grad das Mangfall- und Taubenberggebiet nach und nach kassiert, geriert sich als Kolonialherr und kauft via Vorkaufsrecht immer noch an Fläche auf, was nur geht.
Ein echter Befall, der das Leben, die Landwirtschaft, das Gewerbe und Wohnen dort steuert.

Eine kleine private Mosterei etwa durfte nicht mal wenige qm Lagerkeller bauen als Frostschutz für ihre Obstsäfte.

Die riesige A 8 jedoch mit ihrer wachsenden Schadstoffemission, die direkt über einem grossen Quellfassungsareal verläuft, die wird halt hingenommen. Sie durfte nach der Brunnenfassung gebaut werden, das war zur NS Zeit.

Die berühmte Selbstmordbrücke
Darüber zieht der Südwind ins Mangfalltal, und genau dort wächst der Aronstab in Massen.

Ich frage mich, ob es eine Pflanze ist, die hier über den natürlich versäuerten Waldboden und Karstgrund hinausgeht und analog zu den unwandelbaren, anorganischen Schadstoffen explodiert, die die Autobahn abwirft. Die können nur akkumulieren, entweder im Boden oder im Wasser, auch im Mangfallbett..

Nicht nur Abgase, Öl und Reifenabrieb landen hier, auch Unvergängliches wie Nanokunststoffe und Platin aus den Katalysatoren, die von der Brücke ins Mühltal wehen und regnen und bei der Schadstoffmessung im Wasser gar keine Parameter haben und vermutlich auch nicht durchs Gestein abgefiltert werden können.

Auffällig sind auch diverse Farnarten in grossen, alten Stöcken, nachbarschaftlich zum Aronstab. Allen voran taugt es dem Adler- und Hirschzungenfarn. Letzterer hat wohl ein drüsenaffine Wirkung (Schilddrüse, Keimdrüsen, Leber...), ich habe keine Erfahrungen damit, aber die Hildegardmedizin schätzt ihn sehr.

Der Adlerfarn ist bekannt in der Volksmedizin, sein Wurzelstock wird in Essigwasser ausgezogen und als "Kropfmittel" bei abnehmendem Mond eingenommen.

Er ist krampfwidrig im weitem Sinn; eine die Bettstatt (tagelang) entstrahlende Pflanze, dessen Wedel Lymphe und Liquor (= Hirn/ Rückenmarkswasser) entspannen, besser: ihre sanften Wellen rhythmisieren, wenn man darauf schläft.
Das hat schon vielen Rückenschmerz- und Kopfwehgeplagten gut getan. Die Wedel des Wurmfarns tun es genauso.

Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium)
Und noch ein urzeitliches Gewächs habe ich entdeckt, am Fusse eines Steilhangs voller Adlerfarn: diesen mir namentlich noch unbekannten, leuchtend rotorangen Schwammerl, der zwengs der Schönheit und ohne weiteren Zusammenhang hier den Schlusspunkt bekommt.


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