Sonntag, 5. April 2015

Fauchis Schnellimbiss



Es war nicht einfach, ein Foto von ihm zu kriegen, das ihn aus der Nähe und von vorne zeigt. 
Seine rechte Pfote ist schon in der Luft, und in der Sekunde drauf war er weg.

Fauchi ist ein Wilder. Entweder er liegt auf der Lauer, oder ist auf der Flucht, anders habe ich ihn noch nicht erlebt. Nur sein Loch im Bauch treibt ihn her, und er kommt meistens, wenn es kalt ist.

Lange kannte ich ihn nur als grauen, blitzschnellen Schatten und geschickten Futterdieb. Als ich ihn einmal versehentlich beim Klauen in der Küche überraschte, durchkreiste er diese auf 1,30 Meter Wandhöhe, bevor er die Tür wiederfand.
Er hinterliess mehrere Schaufeln Scherben, seine Blutspur am Fenster und ein Stündchen Putzarbeit. Die Äpfel rollten noch, da war er schon wieder weg.

Seit letzten Winter aber wagt er es, nahe der Türschwelle zu warten, sich nun sogar dort hinzusetzen, wo es das Katzenfutter gibt. Wenn ich morgens die Haustür öffne, ist er schon da – und faucht mich an, aber wie. Heftig, einmal, volles Rohr, bevor er dann schnell wieder abhaut. So hat er sich seinen Namen gegeben.
Beim ersten Mal Monster-auf-Fussmatte war ich nämlich noch kleinäugig und schlafwarm und bin richtig erschrocken.

Fauchi hat furchtbar Hunger und genauso viel Angst. An seiner Nähetoleranz konnte man zu Frostzeiten die Aussentemperatur ablesen: Je kälter es war, umso kleiner war sein Abstand zum Schüsserl, während ich es befüllte. Bei minus 10° C hätte ich ihn immer anfassen können, so nah war er. 
Als die strenge Kälte dann nachliess, ging er noch einen Meter zurück, später wurdens mehr, und inzwischen flüchtet er sofort ums Hauseck, nachdem ich angefaucht bin, wenn er denn überhaupt noch auftaucht.

Wenn die Schüssel voll ist und ich weg, kommt er aus der Deckung. Er schlingt einen grösstmöglichen Bissen sofort hinunter, schnappt sich den Rest des fladenartigen Geleeteils und haut ab damit. 

Obwohl er es immer einigermassen mittig ins Maul nimmt und extra nicht damit losfetzt, wird das nie was mit dem Mitnehmen. Sein Katertrab ist so kopferhoben tänzerisch und schwingend, dass es ihm den Gelfladen dabei immer komplett zerlegt. 

Erst, nachdem alles runtergefallen ist, beschleunigt Fauchi kurz aufs gewohnte Fluchttempo, und rum ist er ums Hauseck. Aber nur, um ein paar Augenblicke später hinter der Mauer hervorzuäugen, ob die Luft rein ist. ("Eugen" tät auch gut zu ihm passen.)
Dann sammelt er eiligst die verlorenen Brocken weg, einen nach dem andern, und nicht das kleinste Bröserl kommt ihm aus.
Die ganze Aktion dauert keine 20 Sekunden und läuft immer gleich ab. 

Gibts Trockenfutter, stürzt sich Fauchi mittendrauf und frisst, so ungestüm, dass er kurz drauf kein Brekkie mehr ums Maul rum findet, weil er sie schon radial verteilt hat auf einen halben Meter. 
Ab da ist er in der Bredouille: Schnellstens die Brekkies zu orten, zu fressen, und gleichzeitig den Türstock samt Feind (mich) nicht aus den Augen lassen, erfordert geradezu vogelartige Kopfarbeit.
Drum geh ich lieber weg inzwischen, weil ich fürchte, er könnte sich mal den Hals ausrenken.

Es ist grosses Kino, immer wieder. Sogar meine zwei alten Katzen sehen sich die kurze und heftige Aktion an, für die sich Fauchi todesmutig in Hausnähe und Gefahr begibt. Dann erst fressen sie, in aller Ruhe und mit den paar Zähnen, die sie noch haben, ihren Anteil am Frühstück. 

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