Mittwoch, 5. August 2015

Da Ollaneia


'Meine' Wiese vorm Haus war heuer eher ein durchgegangenes Moschusmalven- Feld. Ich hatte die Pflanze, nebst anderen Kräutern, dort grossflächig angesäht, ausblühen und aussamen lassen. 

Beim Mähen dieser Tage war dann auch die Sense nach drei, vier Strichen schon stumpf. Die Malven waren dermassen stämmig und verholzt, dass ihnen eigentlich nur noch mit der dicken Gartenschere beizukommen war.

Mein slowakischer Nachbar, ein Ausbund an tätiger Hilfsbereitschaft, befand spontan, das hier wäre kein grösseres Problem für seinen Rasenmäher. 
Ich war mir ja ziemlich sicher, er würde das Dickicht unterschätzen, während er sich ziemlich sicher war, ich würde seinen Mäher unterschätzen. So rückte er dem hüfthohen Dschungel feierabends mit demselben zuleibe (ich vermute ja ein Hans- Söllner- Tuning). 

Den Mäher hatte er sich aus der Heimat mitgebracht, weil ihm die Senserei um seinen Hausanteil herum zu blöd geworden war. (Man hatte ihm dazu allen Ernstes eine uralte Sense mit nur einem Griff überlassen. Aber sogar damit hatte er einen perfekten Schnitt hingelegt, bevor ich ihm mein Gerät gab)

Das baltische Mähwunder parkte erstmal mit einer Folienmütze bedeckt auf seiner bemoosten Terrasse unter dem wackligen Holztisch, der sich an der Hausmauer abstützt und auf dem immer der überquellende Aschenbecher und mindestens ein ungespültes Kaffeehaferl steht, in trauter Nachbarschaft zur ganzjährig griffbereiten Schneeschaufel und einem oxidierten Pilsfass in Zapfhöhe. 

Weiter nicht wild, aber wir bewohnen nun mal die einzigen abgeschabten alten Haushälften in einer sichtlich wohlhabenden und sehr gepflegten Gegend. Um uns herum wird sogar der Strassenrand gelaubsaugt, es gibts kein altes Zeugs um die Häuser; alles was rumsteht sind saubere Autos und stramme Dahlien über getrimmten Rabatten. 

Der alte Mäher war als neues Bestandteil des Terassen- Ensembles gleich aufgefallen und hatte sich einen halben Tag nach seiner Ankunft schon den ersten abschätzigen Wohlstandsbürgerinnen- Kommentar eingefangen*: 
"Des is aa da Ollaneia." ("Das ist auch das allerneuste Modell"). 
Er hats wohl gnädig überhört und sprang, ungleich manch smarter Mähzicke, ohne weiteres an, um danach brüllend und ohne das leiseste (hehehe) Anzeichen von Schwäche durch das verholzte Kraut- und Ameisenhaufen- Gebirge zu fräsen, dass das halbe Isartal erzitterte.

Ein paar Liter Schweiss und Benzin später war alles runter bis auf die Stoppeln.
Der Blick reicht wieder ungebremst bis zum Zaun, und ich kann Feuer machen, ohne einen Flächenbrand zu riskieren. Sonst hätte ich vermutlich eine Woche hingesenst und gerecht, entsprechend dankbar war ich.
Kein Problem, meinte der Nachbar. Nächste Woche fahre er gleich nochmal drüber, und zwar gern. Mit dem Mäher fahren und Gurkensalat essen, das sei der Sommer für ihn. 

(Mein Sommergefühl macht auch diese tiefenentspannte Nachbarschaft aus, die ich seit zwei Jahren geniessen darf.)

*nicht von mir, versteht sich. Ich schätze die alten Maschinchen von der Adler über die Pfaff bis zur Zündapp schon aus praktischen Gründen.

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