Mittwoch, 16. September 2015

Nicht beliebig


"[...]

Heimat ist eine nicht ausschließliche und dennoch richtungsgebende, vornehmlich geographisch-örtliche Manifestation von Schicksal (nicht zu verwechseln mit persönlichem Glück, dessen Schmied nach altrömischer Meinung angeblich ein jeder ist). Heimat ist mithin etwas, was einem nicht wirklich zur Verfügung steht, sondern eher über einen hinausgeht und einen umfasst, an sich dynamisch (weil es sich ändert) und dennoch kaum veränderbar (weil du als Einzelperson normalerweile keinen so großen Einfluss auf sie ausüben kannst).

So steht's auch mit unserem anderen Stichwort, der Identität: Was wir wirklich sind, ist, was wir nicht mehr ändern können, das Untauschbare an uns, das also, was wir zeitlebens rumschleppen müssten (oder, positiv formuliert, worauf wir von der Kindheit bis ins Alter zurückgreifen können). Was wir hingegen einfach gegen anderes tauschen können, das Verwechselbare, das Entbehrliche, das also, was kommt und genauso auch wieder verschwinden kann, sind wir nicht. Denn »Identität« ist von ihrer Beschaffenheit her alles andere als Beliebigkeit, als Wohlgefühl und Lust. Nicht unbedingt ist uns gegönnt, zu sein, was und wie wir sein möchten.

[...]"

zitiert aus Un/zugehörig, dem Blog von Yoav Sapir 

Kostbarkeiten...
Nix mitnemma kenna gilt nicht zwingend erst beim Fahren in die Grube
und die Flüchtlingssituation ist nun mal, wie sie ist.

Schimpfen, Schuldverteilen, schlaue Gedanken wiederkäuen (*ähem*), das ganze online- Treppenhausgeschwätz finde ich unangemessen.
Während die Sesselprediger sich ihre handverlesene Bildschirmwelt und andere Vor-bilder in die Zwischenablage kopieren und bei Bedarf als "Wissen" wieder ausspucken, werden real die Nächte kalt und ungeschütztes draussen schlafen vor allem für kleine Kinder und Erschöpfte kritisch. Auch das weiss der Gebildete, aus dem Fernsehen...

Will er das Schicksal der Kriegsflüchtlinge aufrechnen gegen kriminell gesinnte Mit-Flüchtende, die ihn, jawohl, mit einiger Wahrscheinlichkeit in seiner Identität und Heimat bedrohen werden?
Ich sehe hier keinen Zufall am Werk: Dann ist eben jetzt die Zeit, für beides einzustehen.
Sichtbar zu werden im 'Untauschbaren' und Heimat aus den entsprechenden Museen und Bildmagazinen rauszuholen.

Wobei sich zeigen wird, ob es das noch gibt, das Eigene hinter den Bildern und Kopien, ob jemand noch sozial ungesteuert lieben/leben/ begegnen kann, denn die Identitätslosigkeit bestimmt längst jede Menge Leben.
Was ist noch übrig jenseits von Opportunität und Verwertungshaltung?
Arbeit und Umgang miteinander ist in aller Breite keimfrei, berechnend und hülsenhaft geworden (♬ schönen Tag noch ♬) und kaum jemand ist wirklich befremdet, wenn der Gesprächspartner reflexhaft auf den eigenen Tonfall und Dialekt einschwenkt wie ein Gebrauchtwagenhändler. 

Diejenigen, die sich jenseits von Meinungen und Politik gegenwärtig der Situation stellen und tun, was not-wendig ist, dabei natürlich alles falsch machen (das deutsche Täterschicksal) und nur ihr 'selbstgefällig- narzisstisches Helfertum' abfeiern oder 'blöd genug sind, bei der Polizei zu arbeiten' – so tönts ihnen entgegen aus der Phalanx des hornlosen Mastviehs, das identitär dermassen wacklig aufgestellt ist, dass es die allgegenwärtigen Schlächter der IS bereits den Kopfstoss der Nachbarkuh fürchtet und allen Ernstes und ohne Schamesröte behauptet "ma deaf ja nix mehr song"

die wissen vielleicht am ehesten, dass Identität nichts Beliebiges zum Überziehen ist, und Heimat kein Kuhstall, in dem man sich verstecken kann.

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