Montag, 2. Mai 2016

Gletscherrelikte und neptunische Un-Wege


Im Netz steht eine ausführliche Arbeit zum Endmoränengebiet südwestlich von Holzkirchen (.pdf)

"Der Tölzer Lobus des würmeiszeitlichen Isar-Loisach-Gletschers als Gegenstand einer didaktischen Exkursion"

Die Exkursion wandte sich an geologische Laien und beinhaltet entsprechendes Bild- und Kartenmaterial zum Verständnis. 
Eine absolute Leseempfehlung des geologischen Inhalts für heimatlich Ortsverliebte und alle anderen, die sich für die bewegte Gestalt unseres Gäus interessieren.

Auch dort, wo die Urtäler des Isargletschers trockengefallen sind, strömt es halt noch. Verschieden stark im Jahr, aber immer spürbar.

Aus diesem Werk ein Kartenausschnitt (im pdf S. 42, Abb 2-3). 

Quelle/ Zeichnung Franz Kestler
Das karierte sind Würmmoränen, die jüngsten, in der letzten Eiszeit abgelagert, der gekreuzelte Fleck rechts ist der Taubenberg (Süsswassermolasse, tertiär). Die gestrichelten Linien mit Richtungspfeil sind ehemalige Schmelzwasserrinnen. In einer solchen verläuft auch die Bahnlinie Schaftlach- Holzkirchen. (Fussnote)

Somit ist die Arbeit unter anderem eine Dokumentation uralter Riesen-Wasseradern – und der chronisch unfallträchtige Bereich des Zusammenflusses südlich von Tannried auch geologisch erfasst.

zusätzlich von Autos erfasst sind diese Fichten, an Kummer gewöhnt:



 Zustand im Sommer 2015 (frisch von einem Laster geküsst)

Östlich des Taubenbergs, zur Mangfall hin, ist die Landschaft nicht mehr vom Isargletscher, sondern vom gewaltigen Inn- Chiemsee-Gletscher geprägt, bzw. von dessen Rückzug.

Mit ihm reisten die riesigen Tiefengesteins- Findlinge wie man sie öfter in den Wäldern um die Mangfallschleife findet, wie den angeblich kultisch gefertigten "Schalenstein"(*) auf der Birg bei Kreuzstrasse/Grub, der beeindruckend quarzäugige Gneisbuckel in Kleinwagengrösse am nördlichen Fuss des Fentbergs, die flachen grünen Begrenzungssteine am Südrand des Hohendilchinger Kircherls, die sind aus Eklogit, tief unter der Faltung der Alpen ausgekocht und freundlicherweise emporgestiegen (die Umstände dazu passieren diesem schweren Gestein nicht leicht, habe ich gelesen).

Grosse Brocken kristallines Gestein und speziell Gneis, der ursprünglich aus den österreichischen Zentralalpen (Tauernfenster) stammt, gibts im Mangfallgebiet wirklich überzufällig viel, im Vergleich zum Isargletscher- Einzugsgebiet - meiner unmassgeblichen Beobachtung nach. 

(*) natürlich entstandene "Schalen", also kleine Mulden in Zentimetergrösse hab ich bei Eklogit schon öfter gesehen und zwar bei brekziierten Mugeln und den rundum ausgeformten, die öfter die Form eines ausgespuckten Kaugummis im Bubblegum - Format haben:


Eklogit

und auch dies kristalline Schätzchen habe ich aus der Mangfall gefischt:


3cm kleines Quarzsteindl (Auschnitt ~20x vergrössert)

mit schon leicht abgerollter Bruchfläche


Zurück ins obige Endmoränengebiet:

Modern werden grössere Autotrassen mitten in Stromtäler gebaut, ohne Rücksicht, ob der Ort sich für eine Strasse eignet.
Die Unfälle an den immer gleichen Abschnitten der B 318 sind nur ein Beispiel, dass unsere Verkehrssplaner den ein oder anderen "Elfenbeauftragten":) brauchen könnten, um das Gröbste zu verhindern oder ganz einfach alteingesessene Sanis, Polizisten, Feuerwehrler, Anwohner befragen könnten, bevor die nächste Umgehungsstrasse, Unterführung etc. irgendwo hingeklotzt wird.

Zur Not täte es eine Karte der Gegend, in der alle, wie auch immer gearteten Unfälle und besondere Vorkommnisse der letzten Jahrzehnte optisch markiert werden, also auch die mitten im Wald, auf freiem Feld, Brände, Blitzeinschläge usw.
Mit Sicherheit würden sich betroffene Linien und neuralgische Punkte hervorheben.

Die alte Strasse von Holzkirchen zum Tegensee z.B. verlief direkt über Warngau und Reitham: den Buckel rauf, den Buckel runter.

(Siehe auch: Postkarte von 1909, weitere alte geographische Ansichtskarten der Gegend auf der gleichen Seite.)


Auf historischen Landkarten sieht man, dass die alten Strassen nie an der tiefen Stelle der "U"- Form eines Gletscherrinne verliefen. Und zwar selbst dann, wenn keine moorigen Untergründe die Stabilität beeinträchtigt hätten. Es mag auch an den Grundbesitz- Verhältnissen vor der Flubereinigung gelegen haben, aber vermtlich gab es einen gutem Grund, Steigungen und den eventuell höheren baulichen Aufwand an Talrändern oder über Erhebungen für die Wege inkauf zu nehmen.
Hierzulande sieht man gute und rationale Wegverläufe an den Römerstrassen, die wohl teilweise auf noch älteren Wegabschnitten basieren und trotz ihres Alters immer noch bestehen, wo sie nicht aktiv abgetragen wurden.

Die Tiefenwasserströme wurden von den alten Routen immer nur gequert (und diese "Kreuzwege" waren verrufen), obwohl direkt auf den Wasseradern der Bewuchs schwächer ist, für den Bau also weniger starke Bäume zu fällen, Büsche zu roden gewesen wären. Man wusste um die besondere Unfallbereitschaft über Störungen, Wasserstrom, -fall und -anstieg vielleicht nicht substantiell, kannte aber die Effekte.
Inzwischen hat die Wissenschaft ein paar Analogien mehr bereit: tektonische Brüche, "blinde" Quellen durch hochsteigendes Wasser, das durch tonige oder sonstige Sperrschichten zumindest nicht stetig an die Oberfläche kommt, oder dessen Adern in Lagen, die räumlich je nach Wassermengen und Strömungstempi scharf werden können.

Ein Autofahrer, der eine Wegstrecke 10- oder 20mal schneller passiert als ein Fussgänger, wird wenig von deren Qualität mitbekommen. Dafür hat er eine gute Chancen auf eine leichte Dauertrance, quasi weltlicher Abwesenheit, wenn er längs einer Wasserader rauscht oder daselbst auch noch von einer Störung erwischt wir.

Denn eins ist Wasseradern und Kreuzungen gemeinsam: Die gefühlte Zeit vergeht dort schneller, bzw. scheint auszusetzen, soweit meine eigenen Erfahrungen, ähnlich wie im Schlaf oder tiefer Entspannung.
Was im Umkehrschluss bedeutet, dass mehr stattfindet (mehr Weg, mehr Geschehen), als die Grosshirnrinde im Alltagsmodus mitfilmt, man objektiv länger braucht für die gleiche Strecke und/oder nicht adäquat reagiert – alles unschwer als neptunische Zustände zu erkennen, die leicht nach hinten losgehen können (♂♆) wenn man sich motorisiert (♂☿) bewegt, speziell via Verbrennungsmotor (♂♀).

In astrologischen Prinzipien ausgedrückt vertragen sich das unsichtbar Wirkende, Strömende (Neptun) einerseits und Wege und Funktion (Zwillingsmerkur) andererseits nicht in Gleichzeitigkeit, wie es schon der Quadrataspekt der Zeichen Fische und Zwillinge kundtut – und jeder rückläufige Merkur, der allgemein eine Funktionsschwäche signalisiert.
Was an Geschehen nicht dem Neptun entspricht, also dem, wie es wahr oder gemeint war, bricht über die Zeichen dazwischen auf: dem Widder (♂ Impuls, Energie) und dem Stier (♀ Masse, Substanz).

Die Absencen, die Gefährdung an solchen Orten oder Strecken findet statt, wenn man sie nur benutzt (= Merkur/Zwillingsanalogie), quasi respektlos (respicere: berücksichtigen, beachten).

Einen Weg als pure Funktion zu nehmen schliesst seinen Ort aus und dessen Gegenwart. Bei den indigenen Aussies und Amis gibts songlines und heilige Orte, man erinnert sich ihrer zumindest wieder, bei uns dürfen die Spinner inzwischen wenigstens ungestraft wissen, das auch Orte an-wesen-d sind, dass es Anwesen gibt, wo keiner eins hingebaut hat, nämlich urprinzipielle: den Fluss, den Stillstand, die Stauung, den Aufbruch und ihre Schnittpunkte in Zeit und Raum. Ob z.B. der Bruch (nur) ein geologisch verifizierbarer ist, ist für den Inhalt des Ortes nicht massgelich.


Blick südl. Tannried nach Osten mit (typisch!) geflicktem Strassenabschnitt über einer Störung vorne im Bild. 
Nicht ganz so gut zu erkennen sind jede Menge Schermausgänge (und ziemlich verebnete Spuren einstiger Wölbäcker, daelbst bis rüber zum Waldrand, dort besser sichtbar)

Wo Wasserkreuzungen im Wald verlaufen, gibts noch eine weitere Besonderheit: Dort brüten gerne Käuzchen. Vielleicht haben sie daher ihren Nimbus der Unheimlichkeit?
Saisonal sind sie natürlich zu hören und zu sehen, ihre Brutbäume aber erkennt man an der ziemlichen Menge an Gewöllen, die sie aus dem Nest werfen. Die Bäume sind in der Regel von ihrem Rasierplatz gezeichnet und/oder stehen eher licht, mit wenig Bewuchs drunter. 
So sind die Haufen kleinen Gebilde, die aussehen wie aus Akopads gedrehte Minizigarren, leicht zu sehen.
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 (Fussnote)

Wie ich es hier und da schon mal gebloggt habe: Die Bahnlinie liegt in unfallträchtigem Urstromgebiet (s.a. Flugunglück 2010 in Warngau, die Reit- und Polo- Unfälle, der Bahnübergang Thann - alles leicht zu googeln). Die Strömungen Richtung Norden sind in Wirklichkeit um einges differenzierter und verflochtener als auf obenstehender Zeichung.
Das Gleis folgt naheliegenderweise der Landschaftsform, denn damit sind keine grösseren Höhenunterschiede zu überwinden. Eine Steigung über 3% wird für den normalen Eisenbahnverkehr problematisch und hinter Warngau in südliche Richtung den Wald hinein, gehts schon eine ganze Länge bergauf.
Letztes Jahr wurde das Gleisbett zwischen den beiden Einströmungen südlich von Tannried mit Geofolie unterbaut, da es abgesackt war. Die Ausschreibung der Baustelle stand im Netz, zufälligerweise war die nördliche Grenze mit Bahnkilometer 44,312 angegeben, das war genau die Stelle, an der 1975 zwei Züge kollidierten.

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