Samstag, 8. Oktober 2016

wieder da

Ich bin wieder zurück von den 17 Tagen ohne Sonne und den viel zu kurzen Nächten auf der Luftmatratze. Müde und platt, aber gesund geblieben. 
Es war extrem anstrengend heuer, keine Schicht unter 16 Stunden. Wie zu erwarten produzierte die Wiesn wieder soviel an privatem Terror, dass ein extra Anschlag nicht nötig war – wofür wir alle sehr dankbar sind.

Der Wiesndienst ist auch mein jährliches Immuntraining. Im unvermeidbaren Kontakt mit Körpersekreten aus aller Welt ist es der Ekel, der mich am meisten schwächt, oder genauer: dem Ekelhaften nicht entkommen zu können. Aufkommendes Würgen unterdrückte ich heuer nicht, und wenn mich sonstwie die Abscheu packte, tat sie das unverhohlen.

Dazu habe ich fleissig Grapefruitkernextrakt eingenommen und uns mit Ginseng, Maca und Guarana durch die Täler der Erschöpfung gedoped. 


Das (händisch aufpolierte) quarzige Brekzien-Ei, das ich kurz zuvor in einem Karwendelbach fand, begleitete mich in der Jackentasche.

Das Schönste am Wiesndienst ist eh die frisch empfundene Freiheit hinterher: das ungestörte Ausschlafen, das Unzuständigsein, die Stille einer Dirndl- und lederhosenlosen Umgebung (skurrilste Erscheinung heuer: eine bis in den Ausschnitt verschleierte Muselmanin im rosa Preissndirndl). 

Die frische, kühle Luft, der Geruch von Laub und Erde, die Nebelfetzen und die moosige Feuchte im Wald; das gute selbstgemachte Essen, der eingeheizte Herd, das eigene Klo, der ganz normale Alltag eben hat einen neuen Glanz. 
Ein besonders vermisster Genuss ist der langsame Tagesbeginn beim morgendlichen Espresso mit den Lieblingssteinen und Büchern greifbar auf dem Nachttischerl. Die ausgeputzen Katzenhaare, Erdbrösel und Tannennadeln auf der Bettdecke, die von Einauges nächtlichem Dagewesensein zeugen, und davon, dass ihr die Nächte draussen nun zu kalt werden.