Donnerstag, 8. Dezember 2016

Donars Keile


Kristall 

Geschichte
Beendet.
Ohne Mangel
nichts zu binden
nichts zu lösen
hat alles in 
und hinter sich.

Meine Lithothek ist umfangreich geworden, vor allen an Quarzen.

Nicht mit allen bin ich per Du, an einigen Individuen war ich lange dran, mitunter Wochen am Stück, oder eben immer wieder.
Zu den letzteren gehören die Alpträumer, wie ich sie früher nannte. Äusserlich haben sie nichts an sich, was diese Eigenschaft ahnen liesse, zumindest nicht auf den ersten Blick. 

Das hier ist so einer. Ein recht klarer und völlig unspektakulärer Rohkristall unbekannter Herkunft mit einer schwefelgelben Tönung, fast schon ins grünliche gehend. Die Fotos übermitteln den Farbton nicht, und ich habe auch keine Ahnung, wovon er herrührt.


Wenn ich mich aus Interesse drin versenkte oder mit ihm übernachtete, kam früher oder später ein Punkt des Entsetzens, der mich sofort aussteigen liess. 
Weil ich natürlich nur meine augenblickliche Verfassung als Grund sah (ja, was denn sonst?), habe ich es in normalen, in guten und schlechteren Zeiten wiederholt.
Die Erfahrung blieb die gleiche. Und ich natürlich umso interessierter.


Die Träume, die er produzierte, waren entsprechend.
Entweder ich fuhr erschrocken hoch, ohne zu wissen wodurch oder warum, oder ich rang im Bett oder irgendwo im Haus mit allerhand zähem, spukhaftem Zeugs herum, vorzugsweise fuhrwerkte es vorm Fenster, in einem Zimmer neben oder über mir herum.

Es war weniger beängstigend als einfach nur mühsam, und immer dachte ich mir beim Erwachen: Meine Güte, wenn ich gleich gewusst hätte, dass ich das alles nur träume, wäre ich einfach früher aufgewacht. 
Dann legte ich ihn weg und schlief gut weiter.

(Ich bemerke, für mitlesende Astrologen, dass ich zu der Zeit rhythmisch über die enge Ma/Pl/Ur Konj. in 5, opp. Saturn lief und diese Träume das einzig 'Gewaltsame' waren in dieser Zeit. Wer weiss, was mir dieser Sprengmeister abgenommen hat :)


Quarz mit Pyromorphiteinschluss (Bleimineral).
Medizin für entzündlich Wucherndes
 im Bereich Knochen, Knochenhaut, Gelenke

Dann gibts das glatte Gegenteil, Steinfunde und Geschenke, Glücksbringer, die einen nur freuen.

Zu den letzten Zugängen dieser Art zählt ein Brekzien- Ei, das ich am Weg zum Lamsenjoch aus dem Schotter eines kleinen Baches klaubte und daheim auf Hochglanz brachte. Er muss lange Zeit in einer Mulde gekreiselt sein, um diese rundum ovale Form wie die Narmada Shiverlings (Shiva-Lingams) erhalten zu haben.
Um ihn herum waren sonst, wie es sich für die Höhe gehört, nur kantige Brocken.



Es folgten ein honigfarbener Calcit aus dem Arzbach (der kann eigentlich nur aus einer Wasserverbauung gebröselt sein) – nebst einer riesigen Angelikawurzel am gleichen Tag, die gemeinsam zu einer Essenz wurden.

Fast ein Wunder, dass es ihn im Bachlauf nicht schon völlig zerlegt hatte:



Dann kamen ein schwarzer und orangeroter Quarzit dazu, zwei glattgeschliffene Steine, vermutlich von einem Ostseestrand.
Der Inhaber eines Souvenirladens hatte sie mir geschenkt, nachdem wir zufällig in einen Ratsch über Mineralien geraten waren. Einfach so, ich hatte nichts gekauft dort.

Ein paar Stunden später landete ich an einem sehr stillen Platz an einem Quelltopf, da habe ich sie ins Wasser gelegt und war stundenlang glücklich.

Solche Steine und Kristalle nenne ich Jupis, nach dem Planeten. Dazu gehören auch die Mistelsteine, hier im Sommer auf seinem Grab. (Sie waren schon vorher welche.)


Bis auf den Grossen sind es amorphe Quarze 
aus Mangfall, Isar, Inn.

Ich hatte meine Alpträumer- Erfahrungen einem Freund erzählt, der öfter in Nordindien und im Himalaya unterwegs und ebenfalls stoanarrisch ist.
Er kennt erstens das Phänomen und meinte zweitens, das sei nichts Ungewöhnliches, das wären Donnerkeile, besondere Kristalle zum Bannen von Dämonen. In Tibet so üblich wie bei Katholens Weihwasser und Kreuz.

An meine persönlichen Steinbezüge rührt es normalerweise nicht, womit man in Asien, bei den Indianern oder sonstwo die Steine belegt, aber das war interessant, es passte alles.


Kristalle mit Fuchsitphantom, Madagaskar

Man hat die Donnerkeile roh verwendet, oder in Holz- und Metallmonturen gefasst, vor allem die Edelsteine. Dafür geeignete Bergkristalle wurden, mehr oder weniger kunstfertig, zu Phurbas und Dorjes geschnitten. Damit waren sie zum rituellen Gebrauch bestimmt.

(Über die Jahre ist in der Eso- und westlichen Buddhistenszene eine so grosse Nachfrage danach entstanden, dass sie rein kunsthandwerklich kopiert werden. Das Ausgangsmaterial wird nicht mehr beachtet, man nimmt einfach irgendeinen durchsichtigen Bergkristall, der als Brockenware en masse abgebaut wird, oder ein anderes schönes Gestein.)

Der alte Kloster- Phurba des Freundes, den ich mir ausleihen durfte, war nur rudimentär bearbeitet und als gut bespielt erkennbar. Alles Sollbruchstellenträchtige fühlte sich unmittelbar herausgefordert, als ich damit heimkam, ich kannte mich also gleich aus.
Ausserdem krachten die Deckenbalken vor sich hin, noch bevor ich eingeheizt hatte, das Internet fand nicht mehr ins Haus und das Händi fuhr herunter, als ich meine emails abrufen wollte, und stellte sich danach zwei Tage tot. Der AB füllte sich, ohne das das Telefon geflötet hätte, und zwar mit Schweigen.

Aber das war an dem Abend nicht weiter schlimm, ich hatte ja eh besseres zu tun: Den Phurba.

In allen Kulturen gibts Donnerkeile. Sie haben verschiedene Namen, Formen und Materialien. Immer gewinnen sie durch ihre Verwendung oder bekommen erst dadurch ihre Bedeutung.
Was meiner Meinung nach auf alle konzentriert genutzte Objekte zutrifft, seien es Musikinstrumente, Mopeds, Lieblingsmesser, Bergstecken, Druckbleistifte...

Aber natürlich können ein Flintscherben, ein Votivbeilchen oder ein Belemnit einfach bleiben, was sie sind. Irgendwas Stein, Kiesel.



Ein jahrzehntealter zerdengelter Liebling aus einer verbröselten 3€ Kruschkiste vor einem Eso- Steineladen. Er wurde von mäkeligen Wurstfingern geprüft und verworfen, aber so richtig: rausgefischt, umgedreht, fallengelassen.
Das war ein "IchbineinStein- Holmichhierraus"-Kauf. Und ist einer meiner besten Kristalle geworden.

Ein Kristall wächst und existiert eine halbe Ewigkeit an einem Ort, es fügt sich Schicht um Schicht des wörtlich Ungelösten, das aus der Wachstumslösung Gefällte, um einen Keim. Jedes Element landet unausweichlich an seinem fixen Platz im Kristallgitter.
Die spätere Kristallform, die Färbung und Oberflächen hängen von der Beschaffenheit des hydrothermalen Gels, vom Druck, vom Raumangebot, von der Temperatur, dem Umgebungsgestein... und allerhand Unerforschlichem ab.*

So entsteht über Jahrmillionen ein jeweils einzigartiges, gewaltiges Zeitmassiv.

Dem gegenüber dauert ein Menschenleben so lang wie ein Gewehrschuss.


hoch im Himalaya geborgen

Wenn das nicht das Heil am Stein überhaupt ist:
Er blickt beim Anschaun zurück und gebietet dem kreisenden Informationsmüll: Bleib Du ruhig, wo Du bist.
Und dann unterhält er sich über die Ränder der Wahrnehmung hinweg mit dem Körper. Auch Zellen haben ein riesiges ontologisches Archiv, das sich mit einem Kristall aus dieser Verwandtschaft heraus gut versteht.
So könnte man es sehen, aber es ist eigentlich egal.

Jedenfalls kenne ich den Zustand und sein sofortiges Verschwinden, wenn der Verstand auch nur hinrührt.


schwarzer transparenter Quarz, Tibet, in voller Sonne

Die Alpträumer wurden mir nach der Umbenennung in Donnerkeile sympathischer.
Das ist schon länger her, und sie taugen nach wie vor fürs Ent- Setzen, aber wörtlich, von bayr.: dem Aufgehocktem. Ungelöstes überlasse ich ihnen gerne zur Aufbewahrung und weiteren Bearbeitung, ist es doch von Natur aus ihr Ding.

Vielleicht liegt in dieser Qualität der Nimbus ihrer Schutzfunktion, den sie weltweit geniessen.
In Amerika waren die Bergkristalle Samen der Sonne, in Südtirol waren es die Ahnen (alle?), die im Strahl wirkten oder ihn direkt bewohnen.

('Strahlen' ist in den deutschsprachigen Alpenregionen das ursprüngliche Wort für Bergkristalle.)


                                    Fensterquarz, Poretta-Therme, Italien

Und nachdem man sich, nach der neueren Physik, eh nicht sicher sein kann, ob sich die ominösen Modelle Quarks im Modell Atomkern überhaupt an Lokalitäten halten und nicht ein ganz eigenes Zeit- und Raumverhalten haben – in unserem Sinne: gar keins – kann mensch gar nicht wissen, ob er in den kleinsten Dimensionen nicht in Alles gerät, zu dem er eine Beziehung herstellt – oder vorher schon drinsteckt.

*Bei Interesse: Ein sehr ausführliches Buch dazu, auch fürs Laienverständnis, mit Schwerpunkt auf alpine Bergkristalle: Rudolf Rykart "Quarz-Monographie"

Kommentare:

TheAstroVid hat gesagt…

Hallo Frau Sam,

war mir ein Genuß, dies so von Dir zu lesen.

Mit einem Steiner
(und meiner astrologix-Sperrung)

wünsche ich Dir eine schöne Adventszeit.


"""..Wir schauen hinein in eine Unermeßlichkeit von Welten. Wir schauen auf den Salzkristall und sagen uns: Da draußen im Weltenall west Wesenhaftes; der Salzkristall ist uns die Manifestation für etwas, was den ganzen Weltenraum als Wesenhaftes durchdringt, eine Welt für sich. – Wir schauen den Pyritkristall, auch würfelförmig oder dodekaedrisch. Wir sagen uns: Da west im Weltenall etwas, was den ganzen Raum erfüllt; der Kristall ist uns die Ausprägung, die Manifestation einer ganzen Welt. – Auf viele Wesenheiten schauen wir, die je eine (ganze) Welt in sich schließen. Im Irdischen begegnen sich die Taten vieler Welten. Und indem wir Menschen auf der Erde denken und tun, fließt in unserem Denken und Tun das Denken und Tun der mannigfaltigsten Wesen zusammen. – Wir erblicken in den unermeßlich mannigfaltigen Formen der Kristalle eine Offenbarung einer großen Fülle von Wesenheiten, die sich in mathematisch-räumlicher Gestalt in den Kristallen ausleben. Wir schauen die Götter in den Kristallen an. .. """

sam hat gesagt…

Hallo Mytho,
Danke! und ebenso!

Ich habe mich heute abend auf astrologix nach dem Grund Deiner Sperrung erkundigt.
Einen altgedienten, friedfertigen Verlinker wie Dich sang-und klanglos verschwinden zu lassen – sowas geht überhaupt nicht.

Wenn keine einleuchtende Begründung als Antwort kommt – dann hat mich der Laden auch gesehen.

Gruss Sam

TheAstroVid hat gesagt…

Liebe Christine,

wirst wohl keine Antwort erhalten.

Theresa meint, wegen des Döbereiner-Textes 'Alternativlos'.

Vor 8 Wochen hatte er mich wegen MRL-Gerzmann gesperrt..

Admin Richard weiß von nichts..
..nur daß auch Medusa gesperrt ist..

Bleib' doch bitte im Forum !!
Mitlesen kann ich ja..

Liebe Grüße

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