Sonntag, 8. Januar 2017

zur Geschichte von Penzberg


Link zu einem 10 Min. Video in der BR Mediathek, wieder sehr sehenswert!

Ein ehemaliger Bergmann erzählt aus Penzbergs bewegter Vergangenheit als Pechkohle- Bergbauort bis zur Schliessung der Grube 1966.
Auch die schlimmen Schicksale kurz vor Kriegsende, in der Penzberger Mordnacht, werden kurz erwähnt. 

Das chronisch rote Penzberg war in der bäuerlich- mittelständischen Umgebung verrufen, an entsprechend abschätzige Kommentare erinnere ich mich selbst noch. Es waren schon seit Bestehen des Kohleabbaus (anfangs noch im Tagebau) Fremdarbeiter aus östlichem Gebieten hergezogen, die den Bergmannsberuf aus ihrer Heimat mitbrachten. 
Während der Industrialisierung wurde die Stadt zu einer Enklave der sozialistisch- kommunistischen Proletariatsidee im Oberland. Die Gesinnung überstand nicht nur die Nazizeit, die NSDAP erreichte 1933 in Penzberg mit 16% das schlechteste Wahlergebnis in ganz Bayern. 

In den letzten Jahren sind mehrere interessante Bücher zu Penzbergs Geschichte erschienen, es gibt ein Stadt- und ein Bergwerksmuseum, an dem ein Bergbaurundweg beginnt, der auch virtuell zu begehen ist.

In Penzberg ist gut sichtbar, wie ein Ort seine Qualität, hier ein verhinderter Uranus = Ursprung in vielen Inhalten ausdrückt.
Der Kommunismus, der die Potenz zu Recht und Freiheit aus dem Individuum abzweigt und es in eine Ideologie der Zugehörigkeit kanalisiert, und die dazu hingestellte "Neue Heimat" machten es leicht, die zugewanderten Arbeiter und ihre Familien im kollektiven Griff zu halten. Sie waren alle in gleicher Weise abhängig, von der Kohle, darüber aber auch existentiell gesichert.

Während der Saturn Opposition zur Uranus-Pluto Konjunktion Mitte der 1960er endete mit dem Beginn des Erdöl- und Plastikzeitalters zwar die Kohleförderung, aber heute steht dafür der Pharmariese Roche auf dem Gelände des Nonnen*wald -Schachts. Es war die grösste und mit 800m tiefste Grube Penzbergs.

Big Pharma ist das Gespenst, das inzwischen alles Leben durchsetzt, von der Ackerkrume bis in die Organismen von Mensch und Tier. Das Mass der Abhängigkeit von der chemischen Industrie im Alltag ist längst absolut vergleichbar mit dem der Energieversorgung.
Was einmal mit der Idee von allgemeinen Wohlstand und Sicherheit und einem äusseren Heilsversprechen begann, endete in der Unmöglichkeit den Verflechtungen, dem vorgeblich sicheren Netz zu entkommen.
Da das Kuschlige am Zustand eines gleichgerichteten Schicksals verschwunden ist wie das Würschtel vom Kraut, wird das Brüchige und Giftige daran eher wahrnehmbar.

*Nonnen waren verschnittene Sauen, sterilisierte Hausschweine, die dann leicht fett wurden und während der Waldweide nicht unkontrolliert zu decken waren, etwa von Wildebern. 

Vielleicht DAS Bild für Uranus/Pluto. Ein steriles Leben, nur zum Verbrauch, ohne eigenes Schicksal. Abgeschnitten vom Wilden, Schöpferischen, das es liefern könnte, bleibt das Fressen, effektiv die Mast, als letztes Vergnügen.

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