Montag, 30. Oktober 2017

Federn reinigen


Da hierzu nichts sinnvolles im Netz zu finden ist, stelle ich meine Methoden ein.

Es geht natürlich nicht um Bettfedern, sondern um einzelne Exemplare, Fächer, Zier- und Räucherfedern, und um Fundstücke, die schon ein Zeitchen im Wasser oder unter freiem Himmel verbracht haben.

Vorsichtige bringen Federn von draussen nicht mit den häuslichen zusammen, oder erst, nachdem sie sie ein paar Tage in vakumierten Tüten oder der Gefriertruhe gelagert haben zwengs Milbentötung.

Ich  brauche längst keinen Gefrierer mehr, nicht mal einen Kühlschrank und kenne trotzdem keinen Milbenfrass. Auch nicht an gewilderten(*) Federn, weil ich die Exemplare, die ich nicht im Betrieb habe, luftig zwischen Beifuss oder Salbeizweigen lagere, in meinem Schlafzimmer, wo eh Tag und Nacht das Fenster offensteht.
   
Gefundene Federn, die schon sichtbar von Schnecken bekreucht wurden oder mit Mist o.ä. beschmutzt sind, brauchen zur Reinigung am meisten Zeit, Geduld und Fingerspitzengefühl.

Man hält sie über einen Topf mit kochendem Wasser, dem man ein paar Tropfen ätherischen Öls zufügt, und streicht die Feder an der verschmutzten Stelle vom Kiel nach aussen mit den Fingerspitzen aus, in vielen Wiederholungen – und so zart, dass die einzelnen Fibern, die mit winzigen Häkchen ineinander verklettet sind, sich dabei nicht trennen. Zwischendrin wischt man sich die Finger, also den Dreckfilm, ab. 
Grade bei Schneckenschleim auf dunklen Federn kann es ziemlich lange dauern, bis der Fleck weg ist, es funktioniert aber immer und die Feder bekommt ihren vollen Glanz zurück.

Ursprünglich saubere Federn, die im Laufe der Zeit von Staub, Rauch und Fliegenschiss verschmutzt wurden, sind einfacher zu reinigen: 
Man gibt dazu 1 Tr. Spüli auf ca. 0.5 l Wasser, fügt einen ordentlichen Schuss Spiritus dazu (in etwa wie zur Fensterreinigung) und 8 bis 10 Tr. Teebaumöl. Das ganze wird in einer Sprühflasche verschüttelt. Dann nimmt man Zeitungen, eine Folie, Wachstuch etc. als Unterlage, darauf kommt eine doppelte Lage Zewa, die mit der Mixtur durchweicht wird. Dann kommen die Federn mit einem gutem Abstand voneinander darauf, und weitere Doppellage Zewa, die ebenfalls tropfnass durchweicht wird und dann vorsichtig an die Federn angedrückt. 
Bei einem Fächer fädelt man zwischen jede Feder einen trockenen Streifen Zewa (Geduld!), legt eine weitere Doppellage obendrauf und durchnässt das Ganze. 

Dann lässt man alles mindestens eine Viertelstunde lang einweichen, dabei wird eventuell nachgesprüht und nachgedrückt, es muss alles waschelnass bleiben. 
Nach der Einweichzeit werden die Federn vorsichtig, durch die Zewalagen hindurch, vom Kiel zu den Rändern hin ausgedrückt und -gestrichen mit den Fingerspitzen. Durch das Zewapolster hindurch ist es viel leichter, die Verklettung nicht zu trennen als ‚nackt‘ überm Wasserbad.

Federn und Fächer, die viel harzigen Rauch genossen haben (manche Räucherharze haften zäh) müssen eventuell nochmal in ein frisches Zewabad, und zwar solange, bis kein schmutziger Rand mehr entsteht beim Ausstreichen. 

Nach der Wäsche deckt man die Federn ab, nimmt sie heraus und lässt sie im Wind oder bei Zugluft gründlich trocknen. Eventuelle Unregelmässigkeiten werden erst nach dem Trocknen gerichtet, wenn die Fibern wieder Spannung haben.
Die Federn glänzen dann wieder und die ursprünglichen Farbschattierungen und Transparenzen sind zurück.


Viele Jahrzehnte alte, im Lakota Sonnentanz arg strapazierte Adlerfläume an einer Knochenflöte (museal) wiesen Milbenfrass auf und waren nur noch bräunliche Würstchen.
Hier der Zustand nach der Reinigung.

Nur mit den Flaumfedern geht man zum Trocknen an eine warme Luftquelle, also über die Heizung oder den Ofen, und ‚kämmt‘ sie dort ganz zart und mit flachen Fingerspitzen vom Kiel weg aus, bis sie sich entwirrt haben (Geduld...), das entfernt nebenbei verklumpten Staub und abgebrochene Fläumchen. Wenn der Flaum ohne fühlbare Knötchen durch die Finger gleitet, ist er sauber und kurz drauf wieder daunig und weiss. 
Bei Flaumfedern muss man schon bei der Wäsche zwischen den Zewalagen sehr vorsichtig sein, dass man die feinen Kiele nicht knickt (eventuell einen Rundpinsel zu Hilfe nehmen), und bei grossen gebogenen Federn natürlich auch. Notfalls muss man sie hängend säubern, dazu wiederholt mit Zewa umhüllen, dieses tränken und dabei vorsichtig ausdrücken.

(*) laut Gesetz darf man eine gefundene Feder nicht mitnehmen. Sie ist Eigentum des zuständigen Jägers, des Grund- oder Vogelbesitzers.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen