Samstag, 4. November 2017

zur Königskerze

Wetterkerze heisst sie bei uns auch, angeblich, weil man es aus ihr ersehen kann – wenn mans denn kann.

Sepp Haslinger, einer von vielen Wetterpropheten, der die Königskerze liest, wird alljährlich im August von irgendeinem Heimat-Schmonz TV vorgeführt, um den kommenden Winter zu prognostizieren. Im Jahr drauf wird dann kübelweise Häme über ihm ausgegossen, wenn er irrte bei seinen Schneeprognosen, aber verschnupft ist er deswegen nie.
Haslinger liest nach eigener Aussage nur wildwachsende Pflanzen, und zwar die kleinblütige (Verbascum thapsus) und nicht die grosse Königskerze (Verbascum densiflorum), zwischen denen im Volksmund nicht mehr weiter unterschieden wird.

Letztere ist es, die ursprünglich in die Mitte des Kräuterbuschens kommt und dort die Sonne darstellt.



Und hier ist die Sommerernte dieser Königskerze als Rauchkraut zu sehen. Es haben sich am Rand meiner Feuerstelle freundlicherweise ein paar Pflanzen angesiedelt, die sich jedes Jahr vermehren. Die grossen, wolligen Blätter habe ich noch vor der Blüte aus der Rosette geerntet, von jeder Pflanze ein paar.

Man muss sie im luftigen Schatten trocknen, da sie in der Sonne leicht braun werden und dann nicht mehr gut sind.

Kurz vor Knusprigkeit werden sie gerollt und in feine Streifen geschnitten, die man nochmal gut trocknen lässt. Dann kommt alles in einen Stoffbeutel und fertig ist ein feiner Rauch, der sich gerebelt gut in den Tabak mischen und pur in einer Pfeife rauchen lässt.
(Ich benutze dafür eine kleine langstielige Metallpfeife, die so 3 bis 4 Züge hergibt, das reicht mir.)
Natürlich kann man die Königskerze auch gut räuchern.

Die Pflanze wurde eh als Fackel genutzt, wozu man den dürren Stiel in Pech tauchte. Das war die eigentliche Wetterkerze, in Häusern mit Blitzschutzanlagen, alpinaweissen Wänden und Rauchmeldern natürlich obsolet.

Es ging nicht um Beleuchtung, sondern um den Schutz vor Unheil und Blitzeinschlag. Die Pflanze gehörte neben der Hauswurz, dem Johanniskraut, der Mistel und dem Donnerbesen (büschelig wachsende Zweigwucherung, die man häufig auf Birken sieht) zu den Wetterkräutern, wobei Wetter synonym steht für Gewitter und Un-Wetter.
Die schwarzen Wachskerzen, die es an Marienwallfahrtsorten zu kaufen gibt, sind quasi die Nachfahren des pechgetränkten 'Himmelsbrands'. Sie sind geweiht, und man zündet sie nur bei schweren Gewittern an oder wenn sonstwie himmlischer Schutz erbeten wird.

Der Räucher-Post kommt für Nutznieser natürlich etwas spät, bzw. für nächstes Jahr zu früh.

Ich erwähne es, da mir der Königskerzen- Tabak einfällt, wenn es früh Nacht wird. Nicht für oder gegen irgendwas, einfach weil ich diese Pflanze in vivo schon gerne mag, und was ihr Rauch freisetzt, genauso. Er hat was Raumöffnendes, wie ein arpeggierter C-Dur Akkord weiter rechts am Klavier.

Bei homöopathischem Verbascum ist ein Hinweis, dass sie angezeigt ist, ein fast ununterbrochener, durch steten Kehlkopfkitzel provozierter, stark resonanter Husten, "wie eine Trompete" (Clarke).
"Salzwasser sammelt sich im Mund" ist ein Leitsymptom, auch bei den anderen Beschwerdebildern, bei denen Verbascum hilft.
Es hat in manchem Ähnlichkeit mit Natrium muriaticum, dem homöopathischen Kochsalz, das auch eher krank wird, als sich durch klare Worte und Aktionen Luft zu verschaffen.

Was ist hier also krank? Astrologisch gesprochen: der Merkur.

Er steht für die Vermittlung des eigenen Raumes, dessen Funktionen und Grenzen.
Der sonnennächste und schnellste Planet steht so selbstverständlich in ihren Diensten, dass man ihn gesunderweise nicht be☿merkt, wenn er im Horoskop bei Transiten, Auslösungen etc. aufgerufen ist.
Er wird nur dann laut, störend, hyperaktiv, auffällig, schmerzlich oder überhaupt spürbar, wenn im Mond das Empfinden nicht durchkommt und infolge dessen die Sonne als Leitstern schwächelt. Merkur kann dann sein Zentrum nicht vertreten oder wagt es nicht.

Ein gesunder Bewegungsablauf, ebensolche Kommunikation und Atmung vollzieht sich so unbewusst und situativ angemessen wie die Verdauung.
Im Husten, in der Bewegungseinschränkung, in der Geschwätzigkeit, in der gestörten Analyse und Assimilation schafft es Merkur nicht, mit dem Aufgenommenen (Eindrücken, Nahrung) oder seinem Umfeld entspannt umzugehen. Er ist quasi ein braver Angestellter, der ohne Weisung und Identifikation mit dem Chef reaktiv und richtungslos agiert wie ein Blatt im Wind.

Den Merkur 'stärken' geht also über die Sonne. Versucht man es symptomatisch, indem man also direkt auf die gestörte Funktion einwirkt, kommt es auf lange Sicht zu einem energetischen Minusgeschäft und zur Erschöpfung dieser Funktion.

Den eigenen Raum schützen?
Schutz als Bann oder Abwehr von Schädlichem, Bedrohlichem kostet Kraft und generiert auf Dauer genau das: einen Schaden. Worauf sich die Aufmerksamkeit richtet, das wächst bekanntlich.
Darüber wird Kairos gerne verpasst oder einfach nur die Aktualität. Dann wird Merkur 'spürbar', behindert und hinderlich, auch in geistiger Hinsicht. Es kommt zu falschen Einschätzungen und entsprechendem Denken und Räsonieren.
Das schwächt unbemerkt den Ausdruck der Sonne, also das Leben an sich und formt ein entsprechendes Umfeld.

Der gute Raum entsteht von selbst, als Folge eines herzhaft gelebten solaren Prinzips. Aktiv den eigenen Raum gestalten stellt Merkur organisch in den Dienst der Sonne.
Da gehts ihm gut, das hält seine Mittlerkräfte und Aufmerksamkeit in der Gegenwart, dem einzigen Ort, an dem er hingehört und seine Anlagen gesund entfalten kann.
Die eigen-sinnige Sonne ist wie ein Rad (= Merkur) in hoher Rotation, da kann nichts andocken oder sich länger im Raum halten, oder zum Zentrum vordringen, was nicht eine ähnliche Energiemenge bzw. -qualität hat.

Zu Tees und anderen arzneilichen Anwendung der Blüten, Samen und Wurzeln der var. thapsus gibts zuhauf Rezepte im Netz und in Kräuterbüchern.

Und da neulich die Appalachen auftauchten in der Isar – kurz drauf stiess ich auf diesen Artikel im schönen Blog einer universalen jungen Kräuterfrau, aus dem ich lernte, dass Mullein in den USA ein Neophyt ist, und das Wissen darüber ebenfalls ein zuagroastes.

Nachtrag zum Foto:
Das Kraut liegt auf einer flachen Schale aus einem Stück Isargestein (hier: Adneter Knollenkalk), wie man sie in Bad Tölz kaufen kann.

Kommentare:

TheAstroVid hat gesagt…

Hallo Sam,

könnte Dich interessieren:

https://weitesee.jimdo.com/2017/11/12/paeonia-eine-arzneibestimmung-in-der-astrologischen-hom%C3%B6opathie/


Beste Grüße!

sam hat gesagt…

Danke – auch, wenn ich der Betrachtung nicht zustimme.
Pluto in II kann ich bei Paeonia bestätigen.
Das Arzneimittelbild, bzw. das Leitsymptom von Paeonia zeigt sich von hinten, die Blüte

https://pictures.doccheck.com/de/photo/42429-analprolaps?utm_source=DocCheck&utm_medium=DC%20Weiterfuehrende%20Inhalte&utm_campaign=DC%20Weiterfuehrende%20Inhalte%20pictures.doccheck.com

oder noch ärger. Gibts auch schon bei Kindern und wird meist operiert statt mit P. geheilt.

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