Donnerstag, 14. Juni 2018

Habichtskräuter!!


Ums Mangfalltal herum wurde seit Jahrhunderten mit dem dort gebrochenen Kalktuff gebaut. Das ist kein echter Tuff, also kein Gestein vulkanischen Ursprungs, sondern einfach Kalksinter.

Kirchen, Mauern, Gedenksteine und Pestsäulen, auch noch den ein oder anderen kompletten Bauernhof sieht man aus dem porösen Gestein, das nicht verputzt wird.
Während an den schattig gelegenen Tuffhöhlen und Quellfassungen überwiegend kleine Farne aus den Mauern wachsen, siedeln sich an den besonnten Mauerstellen aromatische Kräuter an, die dort schön scharf werden.

Seitdem mir das aufgefallen ist, gehe ich lieber um alte Friedhofsmauern herum als mittendurch (die Friedhöfe).
Und was finde ich da seit einem Monat (und im Isartal kaum noch irgendwo, nicht mal auf alten Kiesbänken)? Habichtskräuter! Verschiedene davon!

Nun wird um diese Pflanze viel herummythisiert, speziell um das kleine Habichtskraut, das -und nur das- entheogen wirken soll. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es entscheidend wichtig ist, wo ein Habichts- Rauchkraut wächst und nicht welches.

Ähnlich wie ein hiesiger Gartenthymian ein blasser Abklatsch seiner Verwandtschaft aus dem Gebirge ist oder des Mittelmeerraums, ist ein Habichtskraut aus dem Garten zuvorderst ein hübsches Blümchen (oder 'Unkraut', immerhin essbar).
Da kann es so klein und gelb sein wie es will... Erst vom Berg mitgebracht, oder, bequemer, von sonnigem Kalkstein gepflückt, wird es zum guten Rauchkraut.
Auch das orangefarbene. Ich habe keine Unterschiede bemerkt zwischen den Arten und bin hochzufrieden mit meiner Friedhofsmauer- Ernte.


Zur Wirkung:

Schon ein kleines Blättchen aus der Rosette, in normalem Tabak zu einer dünnem Zigarette gedreht, ist wirksam, ab dem ersten Zug.
(Bei mir, wohlgemerkt, ich beschreibe hier meine Erfahrungen.)

Der Vagus fühlt sich offensichtlich gekitzelt, man kriegt einen guten Appetit davon. Dass der von einem fallenden Blutzuckerspiegel kommt, denke ich nicht (keine Schwäche oder Zittrigkeit, kein echtes Hungerempfinden).

Der Rauch macht gelassen und entspannt, aber nicht müde. Mehrmals wirkte er unmittelbar schleimhautabschwellend, zumindest im Kopfbereich, der wurde sofort freier, der Blick klarer. Stirn- und Nebenhöhlen, die ich gar nicht als gestaut oder sonstwie dicht wahrgenommen habe, öffneten sich und sonderten Sekret ab.

Eher zufällig habe ich bemerkt, dass mir das Habichtskraut beim Fokussieren hilft (Vielleicht kommt daher der Name?)
Ich konnte mich lange und anhaltend vertiefen, obwohl jemand in unmittelbarer Nähe mit einem lauten hochfrequenten Werkzeug herumfräste und sich dabei unüberhörbar schwertat.

Ich habe mir daraufhin ein paar Blättchen in die Tabaksdose gelegt und noch zweimal diesen Effekt wiederholen können:

Einmal in der Sauna, als mich in einer Situation das Grausen packte. Ich ging eine habichtskraut- gewürzte Zigarette rauchen und konnte mich für den Rest des Nachmittags distanzieren. Obwohl bei dem Ekelanfall der Geruch mitspielte, und was diesen Sinn angeht, bin ich eine ausgesprochene Mimose.

Dann beim Schwimmen am Sylvensteinsee. Da nahm mir ein mitgedrehtes Blättchen ein lästiges Drohnengesums vom Schirm. Das Wasser, der See hatte danach meine volle Aufmerksamkeit. Sonst krieg ich gleich immer so ein Luftgewehr-zuleg- Gefühl, es regt mich nicht nur akutisch auf, wenn die Dinger filmend über dem Ufer stehen.

Soweit die praktisch-nützlichen Hinweise, eventuell auch für andere irritable Zeitgenossen interessant.

Das Kernstück ist m. M. n. aber schon das Scharfstellen, das Vertiefen, Versinken in einer Sache, einem Zustand, einer Wahrnehmungebene, die man selbst leicht auswählt und wechseln kann. Sehr schön ist das, wenn man in die Steine geht, zu Felsorten oder den privaten Schätzen.

Auch erscheint die innere Zeit dichter als die objektive Zeit, d.h., 'draussen' ist weniger Zeit vergangen als erwartet. Das ist der gegenteilige Effekt, den ich sonst kenne bei intensiver Versenkung oder einem Flowzustand, in dem die äussere Zeit eben vergeht wie im Flug.