Dienstag, 26. Juni 2018

Maisologie


Man kann über den Isarwinkel (und andere Flusstäler der Voralpen) sagen was man will – es stimmt alles – aber zumindest ist da nirgends Platz für den Maisanbau. In der Schotterebene hat er längst das Ausmass zweiter Wälder, oder eher Wüsten angenommen.

Bei meinen Wanderungen vermeide ich inzwischen, an einem Maisfeld vorbeizukommen. Ich weiss nicht, was dort im Einzelnen für Cocktails gespritzt wurden, aber mir belegen sich sofort unangenehm die Schleimhäute.   
Der Eindruck ist nachhaltig und kehrt anderntags wieder aus den Nasennebenhölen und anderen Ecken, wo die Zahnbürste nicht hinreicht. Trotzdem queckt und ackerwindet es an diesen Turbozüchtungen, soweit vom Feldrand aus erkennbar. 

Hier wickelt sich um jeden Holm eine Winde. Vielleicht ist es ab einer bestimmten Höhe und Fruchtung egal für den Ertrag. Es gibt anscheinend mehr und mehr auch eine Monokultur der Ackerunkräuter, als Reaktion auf die totregulierte Nutzpflanze Mais, und die Winden sind nur ein Venus- Pluto- Zeiger für den Irrsinn der sog. Schwarmintelligenz, mal freundlich formuliert für instinktiven Opportunismus. 
Also einer Haltung, die die Welt konkurrent und durch die Brille der persönlichen Nutzens sieht und sich für die höchstmögliche Vorteilsnahme jeder Verhaltensart unterwirft, die diese sichern soll. 

Insofern ist es sinnlos, die Acker- oder andere Würgewinden bekämpfen zu wollen, egal ob mit Herbiziden oder mit Homöopathie. Ist sie doch Symptom, aber nicht Ursache, egal ob im eigenen Garten oder auf dem Feld. 

Man kann Homöopathie nicht anwenden wie Glyphosat. Letzteres hemmt und tötet die lebendige Entwicklung, die Homöopathie (z.B. Calystegia sepium/ Vivianit) geht rein in den Prozess des Wachstums und forciert den Wucher, die Eigendrehung, den Sog von Venus- Pluto. 

Wenn Pluto (eine Idee) nichts Lebendiges mehr in seinen (ihren) Bann ziehen kann, erlischt er (sie). Und deshalb wird er zuvor rabiat, erscheint übermächtig, lockt, droht, schmeichelt, verspricht, muss sich immer stärker ausbreiten und immer mehr Individuen einwickeln, siehe den Zentralismus der Agrarpolitik und der Saatgutgiganten. 
Sie leben von der Angst und Gier der Bauern, die nicht mehr zu ihrer Wahrheit und Scholle zu stehen wagen ("da kann MAN nichts machen") und entsprechend leicht fernzusteuern sind. So wenig Selbst BEWUSSTSEIN, wo doch die Welt von ihrer Arbeit abhängt. Nicht nur ertragstechnisch, sondern auch qualitativ.

Es gibt ja immer wieder welche, die es anders machen und denen ihre bäuerliche Handlungsfreiheit kostbarer ist als der Gewinn, den sie damit erzielen. Der ist eventuelle Folge, aber nicht die Ursache. 

Auch das ist eine Haltungsfrage. Das nie Dagewesene riskiert immer den Bestand und die Kuschligkeit des Bisherigen. Gelingt ihnen die Eigenständigkeit, werden sie nachgeahmt, vom gleichen Schlag Schwarmtier wie oben beschrieben.
Vom Boah weg uninspiriert scrollt es sich durch bewährte Vorlagen und scheut jeden Alleingang oder eine einsame Opposition, wo nötig.
Deshalb wird das auch meist nichts mit einem Betrieb (nicht 'Hof', gell), der nun das Bapperl "Bio" tragen soll statt "konventionell", natürlich aus wirtschaftlichen Erwägungen.
Es fehlt die Leidenschaft der eigenen Vision jenseits von Zertifikaten und Etikettierung.
Den Sinn für den Lebens- Wert ihrer Arbeit hat es sich abkaufen lassen, den fürs Geld dafür hochentwickelt.

Jeder kennt das: Wer dem Zauber der Materie (=Stiervenus) erlegen ist, strebt nach immer mehr (Geld, Besitz, Absicherung...), auch Gier genannt. Und er kann ab einem bestimmten Punkt – hier setzt die Eigendrehung an – immer weniger damit anfangen (=Mars). Dann grüsst täglich das Murmeltier, oder Jahr für Jahrzehnt, bis ins Hemd ohne Taschen. Das Messie-Syndrom in sozial anerkannter Ausprägung.

Gut, es geht mich nicht wirklich was an, solange ich mich fernhalten kann von diesen Strukturen. Und das kann ich natürlich nicht. Sich raushalten, sie nicht mehr füttern allein ist auch noch kein schöpferischer Akt, der etwas lösen könnte, aber (für mich) Vorausetzung, ein Leben führen zu können, das sich nicht an die herrschende Normalität bindet.