Freitag, 2. November 2018

Harzsalbe, Gedöns und Seeglück


Die heurige Wundsoim ist fertig (und heisst auch so)
30ml für € 8,- zzgl. Versandkosten (Warensendung oder Päckchen)

edit:

– Wundsoim ist aus –

Sie enthält hauptsächlich Fichten- und etwas Tannenharz, ca. 10% Lärchenpech sowie Harz vom Zwetschgenbaum. Weitere Zutaten sind Olivenöl und Bienenwachs.

Überflüssigerweise kommt sie mit gedrucktem Etikett und abgefüllt in braunem Salbenglas daher, da sie ursprünglich für einen Ladenverkauf bestimmt war. Der Inhaber fürchtete dann die Reaktion von Apothekern und Amtswauwaus auf die Bezeichnung 'Salbe'. Drum habe ich eine bayr. 'Soim' draus gemacht, was aber nichts an seinen Bedenken änderte. Einen weiteren Offizinal- Bückling, hin zur "Creme" mache ich nicht mit, weils einfach nicht stimmt.

(Die nächste Charge gibts wieder in grösserer Abfüllung bzw. den üblichen Kruken oder Kapern- und Seelachschnitzelgläsern, und sie wird auch nicht zum Verkauf angeboten.)

Und dann gabs eine grössere Bauchlandung.
Wie die meisten schon wissen, hat sich die Praxis in der Tegernseerstr. nicht realisiert.
Einerseits bin ich erleichtert, der Umbau hätte einen Haufen Geld gekostet, ganz typisch für meine aktuelle Zeitqualität (Überlauf von 2,x Jungfrau = hohe Investition ins Ungewisse/für nix). Nun bin wieder auf der Suche nach erschwinglichen und einigermassen zentral gelegenen Räumen, gerne auch am mit Wohnmöglichkeit. 

Hinweise oder Angebote gerne unter sam@cantharis.net.


Was hier an der Tipiwand hängt (und inzwischen verräuchert ist), ist das Blatt eines Amberbaumes, einer Art, die im Tertiär bei uns heimisch war. 

Ein Exemplar davon steht vor dem Eingang des Salus- Auwaldgartens in Bruckmühl. Die ruhig gelegene Anlage ist aufgrund des Brückenbaus über die Mangfall derzeit etwas versteckt zugänglich, die Saison auch nicht mehr ideal, aber den Farnwald, den die ehrenamtlichen Betreiber dort angelegt haben, ist eine Reise wert, wenns wieder grünt. 
Ich war den Sommer über öfter dort und habe jedes Mal neue Pflanzen kennengelernt.. 

Ein Alpinum sowie Wasser- und Heilpflanzen jenseits der üblichen Kräuterspiralitäten hats auch, nebst einem vogellastigem Tiermuseum mit ungewöhnlichen Präparaten. 
Die saisonalen Öffnungszeiten stehen im Netz.

Jo, die (weiblichen) Unkenrufe und Katastrophenphantasien bezüglich des Wohnens im Tipi haben sich nicht erfüllt. 
Ich schlafe hier wie ein Bär, bin, wie üblich, nie erkältet und auch frei von Rückenschmerzen geblieben. Für mich gibts kein schöneres Einschlafen als mit dem Blick ins ausgehende Feuer. Für die Geborgenheit, warm eingepackt den Wind zu hören und alle Geräusche der Nacht und den Regen, wenn er gegen die Plane prasselt, trockne ich gern mal eine nassgewordene Klamotte am Feuer und wasche regelmässig die dünne Schicht Russ von meinen Quarzkristallen und anderen Unverzichtbarkeiten.

Eine Rauchvergiftung habe ich auch noch nicht erlitten, bitte vielmals um Entschuldigung, auch ist die Strohdämmung nicht in Flammen aufgegangen, sorry, leider hat auch keines der Stürme das Zelt umgerissen oder beschädigt. Im Gegenteil, ich habe mich auch bei heftigsten Gerüttel der Böen immer sicher gefühlt, weil ich zufällig jedes Mal kurz davor das Ankerseil geprüft und nachgespannt hatte. Natürlich hatte ich 'bloß' Glück.

Weder Schnecken, noch Ameisen, noch Mücken und andere Lebensgefärder haben mich heimgesucht. Einzig ein kleiner Igel schaute regelmässig nachts ins Zelt, ohne mich oder das Feuer eines Blickes zu würdigen. Er hat mir, ungewöhnlich genug, nicht ein einziges Mal reingeschissen. 
Nur sein Hustenanfall im Dunklen, vielleicht 20cm neben meinem Kopf, hat mich einmal senkrecht gestellt samt Schlafsack.


Ja, ich habe den Platz vorher angeschaut, um keine Ameisenstrasse zu riskieren. Dann trat ich jede Menge gemörsertes Eichenlaub und Wacholderpulver in die Erde und anderes aromatisches Räucherkraut. Das hat jegliches Gewürm abgehalten, das Heizen mit Wacholderholz tat das seine dazu und hat mit der Zeit das Lining eingeharzt, es mückenfeindlich duften lassen – mich und meine Klamotten übrigens auch.

Lästig waren allein die Grasmilben in der Sommerhitze. Ich musste vor dem Schlafengehen alle Körperfalten mit Steinöl- Wasser einreiben, und immer, wenn ich das vergass, bin ich am Morgen darauf mit dem Kratzen nicht fertiggeworden.

Wenn ich etwas ändern könnte an diesem Tipi, dann wärs die Grösse. Es hat 5 m im Durchmesser und ein Meter mehr wäre nicht schlecht, denn absolut regenfrei bleiben, wenns mal richtig giesst, nur die wenigen Quadratmeter direkt unterm Zelthimmel.


Eingezogen bin ich im Juli, am Tag der Mondfinsternis, an dem ich mich auch in den Tegernsee verliebt habe.

Nachdem das Zelt endlich stand, war ich arg verschwitzt und bin nächtens noch mit der Vespa zum See gebraust. Der war so warm, dass man problemlos rausschwimmen konnte, sich auf den Rücken legen und beliebig lang treiben lassen konnte, das Gesicht dem Wolkenspiel zugewandt um den roten Mond am Himmel. 

Wieder zurück sass ich im Schaukelstuhl mit eiskaltem Jever frisch von der Tanke und sah dem Mond beim Entschatten zu. (Die Agip- Tankstelle im Gmund hat übrigens auch den besten Espresso, den ich bisher im Tal getrunken habe.)

Das strahlend weisse Licht, mit dem der Mond die Trübung verliess, fand ich weit eindrucksvoller als seine Verschattung zuvor, vor allem das Aufhellen des Himmels war wunderschön. 
Es hatte zur Finsternis ja eine Mond- Mars Konjunktion, eine Konstellation, die viele Astrologen als schmerzhaft, oder als Angriff aufs Lebendige deuten, hierin eventuell von untergangsfixierten MRLern angesteckt.

Ich hab extra nochmal nachgesehen – mir ist nichts Negatives erinnerlich. 
Ähnlich wie Sonne-Mars, bei dem ich höchstens Aufgeschobenes anpacke oder zu Ende bringe, erfahre ich im höheren Alter den Mars auf den Mond gar nicht mehr, es sei denn in Verbindung mit Uranus. Dann ist es eine energetisierende oder reinigende Zeit, klärende Aktionen geschehen im Sinne von Entflechtungen alter Zöpfe bis hin zur Rasur von störendem Bewuchs. 

Der Mond wird leicht sumpfig, wenn er nicht in einem Feuer- oder Luftzeichen steht oder sich in einer starken Sonne ausdrücken kann. Mars- Mond ist oft die Zeitmedizin bei hysterischer Verstrickung, will ichs mal nennen, ein Schwert, das den gordischen Knoten eben nicht aufdröselt (= dem Knoten Aufmerksamkeit widmet) sondern ihn einfach durchtrennt, die Blockade oder Bindung, die er bewirkte, überflüssig macht. 
Zumal die Bluuutmond- *schauder* Finsternis Anfang Wassermann (4 45') stattfand, dem Zeichen des Schöpferischen, in dem sich Vorstellungen und Subjektivismen eh nicht halten können oder erst gar nicht bilden. 

Und so gings mir an dem Finsternis-Tag mit dem Tegernsee und dem Tipibezug. Da tat sich etwas Neues auf, was mich u.a. auch den fernen Sylvenstein kaum vermissen liess die Wochen darauf. Das hatte ich nämlich befürchtet – im Sommer bin ich wie ein Wasservogel und will ausgiebig in freien Gewässern schwimmen oder mich wenigstens an ihren Ufern aufhalten. Und der blaugrüne, glitzernde Sylvenstein und die Wasservogelfreunde daselbst waren über Jahre das Nonplusultra für meine inneren Ente.


Zum Tegernseee, den ich in den Wochen darauf ausgiebig beschwamm, kam mir irgendwann der Gedanke: Viel Geld scheint doch glücklich zu machen oder wenigstens zufrieden. Denn das Tal ist ein reiches, und die Bewohner, zumindest die Badegäste in Kaltenbrunn und am Seeglas, die mögen sich selber. 

Nachmittags oder abends, wenn ich schwimmen ging, war es meistens knallvoll. An gewissen Sylvenstein- Stränden wären bei dieser Dichte längst Aggressionen hochgekocht durch entlaufene Fussbälle, oder Hunde, die zwischen die Liege und den Nudelsalat geraten, herumhüpfende Kinder hätten gestört usw.
In Kaltenbrunn war es geradezu italienisch entspannt. Kleinkinder taperten ungebremst von Handtuch zu Handtuch, es ergaben sich immer wieder interessante Gespräche mit Unbekannten, über die Bücher, die grad gelesen wurden, über verschiedenste Projekte, das Leben überhaupt. In den Gläsern der Damen klingelten die Eiswürfel im Aperol Spritz, der Kiosk hat Espresso und Salate und grillt an manchen Wochenenden Entrecôte und Halsgrat.

Kein Badesee- Publikum, wie es zuletzt am Sylvenstein überhandnahm mit seinem latentem Stress und Sonnenschirmen, Liegestühlen, Frau-mit-Herz und Kühlboxen, das es bei Überfüllung des schattigen Familienufers zwangsweise auf die windigen Weststrände des Sylvensteins drängte, wo es ihm nicht wirklich taucht, weil dort zB den ganzen Tag über die Sonne hinbrennt und abends diese ungezogenen Jugendlichen ihre Lautsprecher und Biertragel hintragen und feiern. 
Der Blick geht in die Weite, das Wasser ist kälter, das Ufer steiler und üblicherweise geniessen zufriedene Bergradler, Sonnen- und und Seeliebhaber den Platz.

Das Publikum überlagert dann schnell den dortigen Frieden mit seinen Emanationen, man kommt ihm nicht aus, dem in Formbügel und Stützpolster gepressten Frust. Wer dann nicht konzentriert lesen mag oder dösen oder sich Musikstöpsel ins Ohr schiebt (nicht mein Ding), ist am schönsten Fleck weit und breit dem endlos nölenden oder gackernden Redestrom über Krankheiten und andere Leut' ausgesetzt. 

Diese Stimmung ist mir am Tegernsee nicht einmal begegnet. Ich denke, dass die warmen Moorseen der Umgebung dem Tegernsee die Verkrampften vom Ufer hält.

Ich habe beschlossen, ich bleib in Gäu, schon wegen dieses Sommers. Ich freu mich jetzt schon wieder auf Pommes oder einen gegrillten Hamburger vom Standl nach dem Schwimmen, auf ein im doppelten Espresso versenktes Walnuss- Magnum in der Abendsonne, den eiskalten Spezi vorm Heimradeln.

Dass man sich an Ort und Stelle mit solchen Köstlichkeiten versorgen kann oder einfach schnell den nahen Rewe anfahren oder nachts die Tanke, das finde ich wunderbar. ("Mama! Jetz werst aber oid!" meint mein Sohn dazu.)