Sonntag, 30. Mai 2021

Kalk und Granit, gegensätzlich


Der Geologe und Erdkundelehrer Hans-Ulrich Schmutz beschreibt in seinem interessanten (to whom it may concern, natürlich nur) Buch "Acht geologische Exkursionen durch die Alpen", wie sich das Verhalten seiner geführten Schülergruppen jeweils änderte, je nachdem, welchen Untergrund sie gerade überwanderten an einem Tag. 

Abgesehen davon, dass Kalkgestein rutschiger, zerklüfteter und brüchiger ist und deshalb die Konzentration stärker beansprucht, waren die Kalktage insgesamt anstrengender. Die Stimmung war gereizt und labil, kleinere Zwischenfälle wie ein Insektenstich weiteten sich zum Drama aus und steckten die ganze Gruppe an. 

Die Tage auf Granit dagegen beschreibt er als rund, die Stimmung freudvoll-gespannt und kein Grüppchen störte das andere, wenn es gerade in irgendwas vertieft war.

In einem weiteren Exkurs geht es darum, wie Wasser welches Gestein affiziert.
Anders als man denken würde, ist Granit nicht wasserdicht und verträgt sich gut mit Wasser, weil es sich gegenseitig nicht beeinflusst. 

Granit lässt auch ohne Risse im Fels Wasser entlang der Korngrenzen langsam ein- und durchsickern, wobei nichts oder kaum etwas aus dem Gestein gelöst wird. 
Der Boden über Granit bleibt deshalb auch länger feucht als auf Kalkstein, in dem Wasser ganz schnell verschwindet. 
Unter Granitfels wird es einfach nur feucht, da quillt und sprudelt nichts, und das granitgefilterte Wasser bleibt weich, also kalkarm.

Kalk hingegen wird vom Wasser angelöst, es bleibt in Ritzen stehen und der Stein wird durch Fröste aufgesprengt, wodurch er leicht erodiert. 
Hohlräume und Gänge im Gestein werden ausgewaschen, daraus entstehen Quellen, aus denen das Wasser, nun kalkhaltig, fliessend austritt. 

Schmutz interpretiert das Verhalten des Kalks als dem Wasser entgegenwirkend (mei, er ist Anthroposoph) und sieht darin den Grund, warum Kalkgestein durch Wasser Schaden nimmt

Ich finde die andere Seite, die Perspektive des Wassers quasi, gleichwertig. Es begibt sich im Kalk in die Starre, an dessen Grenzen es fliessen, sich abarbeiten und anreichern kann.

Aber es stimmt schon, wo ein Fluss an Grenzen kommt, erodiert er sie, das gehört zusammen.


kein Kalkfels, passt aber optisch

Kalk (Gestein: Kalziumcarbonat)
 
Eine unbegreifliche Menge davon – wenn es sogar noch für Gebirge langt – sedimentierte durch die Zeiten hindurch und versteinerte unter Eigengewicht und Druck.
Astrologisch könnte man sagen, das ist Mond (Calcium) auf der Achse seines Antagonisten Saturn (Zeitläufte).

Ein bisschen dieses Mond-Saturns tragen wir alle in Blut, Knochen und anderen Zellen mit uns herum. Sogar makrokristallin – winzige Calcitkristalle ermöglichen unseren Lagesinn im Gleichgewichtsorgan und sind essentiell für die Funktion der Zirbeldrüse.

Jedes Lebewesen besteht aus Mineralien, die es zeitlebens in Lösung akkumuliert und zirkuliert, bis es sie im Tod wieder zurückgibt an die Erde. 
Steine haben diesen Prozess, fürs erste, hinter sich. Sie ruhen, zumindest aus der Perspektive der Menschen- Zeit.

Granit ist literal durchs Feuer, durch die Hölle der Unterwelt gegangen. In der völligen Schmelze ins Erdinnere subduzierter Landmassen verkocht jede Struktur. Bei der langsamen Abkühlung im erneuten Aufstieg über Jahrmillionen hinweg bilden sich nach und nach die Kristallkeime seiner künftigen Bestandteile Feldspat, Quarz und Glimmer, die sich beim weiteren Wachstum ineinander verzahnten und so das kompakte Gestein formten. 

Granit zählt demnach zu den Plutoniten.

Im Idealfall ist im Granit das Plutonische verwirklicht in dieser Durchlässigkeit. Granit ist wie ein Katalysator, im Wasserzyklus beteiligt als Filter, Speicher, Informationsmedium. Es ermöglicht den Wasserzyklus, ohne etwas von sich abzugeben oder sich dabei zu verändern. 
Es ist einfach da und bleibt was es ist, inert, gleich-gültig, so könnte man diesen Zustand vermenscheln. 

Wolken dürften in diesem Zyklus der Gegenpart sein zu den Plutoniten. Leicht gebildet, schnell veränderlich und unbremsbar freigiebig, wenn die Fülle überläuft, um die sie sich nie zu kümmern brauchen.

Im Hochsteigen aus der Tiefe durch vulkanische oder magmatische Schichten reift das Wasser (laut Schauberger) und wird besonders rein und gesund (aufnahme- und transportfähig) für den Menschen, eine Qualität, die Oberflächen- oder hochgepumptes Wasser verloren haben soll. 

Keine Ahnung. Ich habe einen grösseren Granitkeil aus der Isar, Herkunft wahrscheinlich Bayrischer Wald, d.i. aus irgendeiner Flussverbauung. Wenn ich ihn in der Hand halte und das Leitungswasser dort drüberlaufen lasse, schmeckt es hinterher anders. Mit dem Keil einfach im Krug platziert nicht.


Nun leben wir hier am Alpenrand mitten im schönsten Kalkalpin, aber auch auf der Subduktionszone, quasi ständig von der afrikanischen Platte überfahren, die uns langsam gen Erdinneres hinabdrückt.
Und ich bin herzlich froh und dankbar um die vielen Quellen, die Bäche und Bacherl am Berg, die Isar, die Seen und das gute kalte Wasser, die schönen Plätze die es schafft.

Das übertrieben Aufbrausende und das Gemüthafte, das den Oberbayern im Doppelpack zugeschrieben wird (Essig auf Kalk? Von wem eigentlich?) bringt auch niemanden um, höchstens mal bei Föhn oder den Erdkundelehrer, der einen Schwung wiver Sechstklässler zum Abzeichnen von Gesteinsformationen anhalten will.

Ich würde es eher barock nennen oder latent hysterisch, leidenschaftlich oder -fähig, stur-heil. Alles Eigenschaften, die z.B. ein Künstler braucht, ein Musiker, guter Handwerker, Koch, Heiler... die Berufe eben, die sich ums Leben drehen und ihm Ausdruck verschaffen.


Kalkstein vom Wendelsteingipfel,
mit noch nicht ganz plattgemachten Spuren seiner Abkunft.