Samstag, 12. Oktober 2019

Sabine Bobert


Eine Frau, deren Beiträgen im Netz ich schon länger folge.

Sie ist eine Reformatorin im Wortsinn, sie klopft Religion von der kulturellen Verkrustung der Kirche(n) frei mittels Methoden des frühchristlichen Mönchtums, die sie lehrt in Vorträgen und Seminaren. Übrigens unabhängig vom Christentum, wie sie betont.

Bemerkenswert, dass ihre Uni sie gewähren lässt — als Theologie- Professorin. 
Bezeichnenderweise hat man sie aus einem katholischen Kloster, in dem sie ein Seminar hielt und kardiognostisch arbeitete, also ihre Herzensichtigkeit einsetzte und den Zugang dazu lehrte, wieder ausgeladen, bzw. man würde sie das nächste Mal unter Aufsicht stellen, falls sie das wieder vorhätte...

Heute kam ein neues Interview auf YouTube mit der Künstlerin Isabelle Krötsch, wieder sehr hörenswert.



Sonntag, 11. August 2019


Zeicheinfund am Brückengrund, ergänzt

Isarregen


Wenns regnet an der Isar
rauscht sie dahin in Ruh
all den Booten, die nicht fahren,
schau ich am liebsten zu.

Die Steine bunt, die Flechten weich
das Treibholz rabenschwarz
Fichtenwurzeln, rot und kraus
adern aus dem Baaz.

Die Weide tropft mir ins Genick,
am Fuss hängt Schneckenschleim
das Eispapierl hüllt im Zerfall
die Gösser- Dose ein.

Irgendwann wirds heller, stiller
die Wolkenwand steigt endlich auf
ein Abendwind verbläst die Schleier
aus ihrem dunklen Bauch.

Wasserlacken, flach im Fels
spiegeln den Himmel wider
weissgelb, mit scharfem Astgewirr
unsichtbar bleibt der Flieger.

Freitag, 9. August 2019

Tulsi, Erfahrungen


Hier meine Erfahrungen mit dem alkoholischem Auszug des getrockneten Krauts (Teedroge) über 6 Wochen.
Ich kenne die Pflanze selbst nicht, nur von dem Zweigerl, das beim Thai frisch neben der Suppenschüssel liegt, zum selber dosieren, weil nicht jeder den starken Geschmack dieses Gewürzes mag.

Den Auszug bereitete ich mit Enzian, ca. 1|3 Droge, 2|3 Schaps über 4 Wochen im Tageslicht, aber ohne direkte Sonne, täglich bewegt. Nach 3 Tagen filterte ich den ersten Auszug ab und setzte ihn mit frischem Enzian nochmal an, am Ende mischte ich beide Extrakte zusammen. 

Einnahme anfangs täglich 5 Tr. abends, als ich nach einer Woche die Wirkung erkannte, nur noch 3 bis 1 Tr.
Es zeichnete sich eine bestimmte Abfolge ab.

Zuerst war der stark schlaf- bzw. einschlaffördernde Effekt im Vordergrund, der unmittelbar nach Einnahme einsetzte, worauf ich die Dosis reduzierte. Üblicherweise lese ich gerne noch etwas Interessantes vorm Einschlafen und habe einen entsprechenden Bücherstapel neben dem Bett. Mit Tulsi wurde er uninteressant, ich wollte nichts Äusseres mehr wissen und freute mich nur noch auf den Schlaf.

Bald zeigte sich eine zunehmende 'Darmreinigung'. Ich esse unregelmässig und insgesamt eher nicht viel, hatte aber tagelang morgens massige Stühle, fest, aber gallig und gut eingeschleimt und von beachtlichem Gestank. Das dauerte ein paar Tage, dazu kam stark gefärbter Urin und vermehrter Haarausfall, vor allem die (ersten) grauen Haare verabschiedeten sich.

Die Haut über dem Steiss schuppte sich eine Woche lang.

Was bis jetzt anhält, ist ein eigenartiges Schlaf- und Traumgeschehen.
Oft wache ich nach zwei Stunden wieder auf oder ein Traum mit körperlichen Empfindungen weckt mich. Es war mir mehrmals so, als würden elektrische Schocks die Wirbelsäule durchfahren, es schüttelt mich quasi epilepsieähnlich, bis ich (erleichert) erwache, einmal darüber hinaus.
Hinterher gehts mir gut, manchmal bleibt ein sausendes oder erhitztes, durchgekochtes Gefühl zurück. 
Einmal waren die Schockwellen begleitet von einem deutlichen Sterbetraum mit kurzer Angst dabei. Ich stand in der Bäckerei am Tresen und wurde bedient, als eine Art langsamer Blitz durch meine Wirbelsäule fuhr und sie zerlegte.
Ich schwitze öfter und mir ist es (zu) heiss beim Schlafen. Manchmal erwachte ich mit Wut und Hassgefühlen, die genauso schnell verfliegen, wie sie auftreten.
Trotzdem bin ich morgens gut erholt und ausgeschlafen, auch, wenn es nur wenige Stunden waren. Ich brauche nicht viel Schlaf und auch sonst wenig (Äusseres: Essen, 'Unterhaltung' aka Lesestoff, Netz, YouTube hören usw.)

Wenn ich an der Isar bin oder sonstwo im Gelände unterwegs (leider ist grad wenig Zeit dafür), ist die Wahrnehmungsschärfe hoch, alles sehr intensiv, vor allem das Wasser und die Steine, der Wald eindrücklicher. 

Im Verkehr muss ich aufpassen. Ich mag die übliche Schutzkleidung (Lederjacke, Handschuhe) nicht anziehen und drifte schnell in den Leichtsinn ab, bin zu schnell unterwegs, zu entspannt und leichtsinnig (alles eher unüblich für mich), neulich wäre ich morgens vor lauter Schwung fast in ein entgegekommendes Auto gekracht und war, im Gegensatz zu dem Fahrer, nichtmal sonderlich erschrocken. Dann habe ich mir aus Unachtsamkeit den rechten Zeigefinger zwischen den Blechen eines Tischbocks gequetscht.

Ich habe mit der Einnahme nun aufgehört. Zuviel Energie auf zu wenig 'Kanal', so kommts mir vor. Wenn Zeit ist (das Chaos in Wohnung und Arbeit bewältigt), möchte ich den Tulsi-Auszug homöopathisch potenzieren.

Stofflich genommen scheint er eine Art energetische Wurzelbürste zu sein, die Potenz zur Drahtbürste dahinter ist spürbar (von der Sorte zum Aufstecken auf die Bohrmaschine) und das reicht mir fürs Erste.

Sonntag, 4. August 2019

Ich hör auch wieder auf zum sudern und mit der Nabelumkreisung — wenns soweit ist.

Heut habe ich ein neues Plätzchen an der Isar gefunden, mit langer Abendsonne, da sind mir dann auch die passenden Wandfarben begegnet.

Und 'echtes' Solidago, die heimische Goldrute. Die kam mit Silberwurz, Latschen und Wacholder gleich an die bröselige Haustür. Und ein schrundiger Kalkstein mit Quarzadern in Form einer schlank geschwungene Neptungabel daneben. 

Soviel zum Thema Zeugs, das kommt und geht und dem keeping of things that sparkle with joy, und zwar ausschliesslich, was ich mal einen guten Rat finde!  


Dieses Anschwemmsel kam auch noch mit, ich wusste sofort, wozu.

Nur nicht wovon — Mittelfussknochen von einem Hirsch (mein erster Eindruck) oder Reh? Er ist 27cm lang und recht massiv (schwer). Wenn sich jemand auskennt, ich kann morgen bei Tageslicht detaillierte Bilder machen und würde mich über eine Antwort freuen.

Ich habe eine regelrechte Zeugs- Allergie entwickelt. 

Im Tipi merkte ich recht schnell, was weg kann, ja weg musste, was an welche Stelle gehört, damit ein guter Raum entsteht. Das ging nicht von heut auf morgen, bestimmt auch, weil ich null Erfahrung mit Tipis hatte, allerdings den jahrelangen Wunsch danach.
Heut sage ich, das war eine lehrreiche Begegnung mit meinem (astrologischen) Mond, dem neuralgischen Punkt in meinem Horoskop.

Das Runde, Ungetrennte, höhlig- miefig Geborgene tat das seine, was Ordnung angeht.
Jedes Segment, jede Himmelsrichtung hatte seine Eigenart, sogar ein eigenes Klima. Die Tür lag im Norden, weil das die einzige Himmelsrichtung ist, aus der kaum je der Wind kommt (was den Rauchabzug unmöglich machen würde), aber auch nie die Sonne.

Und natürlich gibts im Zelt kein Fenster, das man aufreissen, aus dem man hinaus und übers Naheliegende weg sehen könnte, es ist immer alles präsent um einen herum. Was nicht am rechten Platz war oder länger nicht beachtet und gereinigt, das verging oder wurde zwangskonserviert, zum Wacholder- Geräucherten (und blieb es :).

Nur ein tägliches Feuer hielt Mäuse und Insekten fern und vertrieb die Feuchtigkeit, das allerdings zuverlässig.
Das Feuer war überhauptder Dreh- und Angelpunkt im Tipi, die Belüftung, der Rauchabzug, die Trockenheit und Qualität des Holzes. Ich hatte das Glück, dass es mir die Rauchklappenstangen in der richtigen Stellung eingeschneit hatte, denn es hätte Stunden gebraucht, sie freizulegen.

(Wer je vorhat, im Tipi zu überwintern, dem empfehle ich dringend zwei Handbreit freien Lüftungsspalt grosszügig um den Feuerbereich und eine Schlafstatt in mindestens Strohballen- Höhe, wenn er morgens lebendig aufwachen will.
Und einen Feuerkorb, um notfalls das Feuer schnell vor die Tür stellen zu können, wenn der Rauchabzug mal nicht klappen sollte.)

Die Tipistangen waren von innen wie Ziffern auf einer Uhr, an ihnen war täglich (!) abzulesen, wie der Sonnenaufgangspunkt den Winter hinein nach Süden wanderte und nach Sonnwend langsam wieder zurück. An der Stimmung, am Feuer, vielleicht an den Geräuschen, war ein Ändern der Windrichtung, das Umschlagen des Wetters ganz schnell vorauszuahnen, einfach deshalb, weil das Wetter den wichtigsten Einfluss hatte aufs Wohnklima.

Jetzt sitze ich grundsätzlich inmitten einer Menge Platz, es ist hell und trocken, aber wieder alles voll Zeugs, noch ungeordnet, und ich tu mich schwer, meinen Ort draus zu machen. Dabei bin ich kein Hoarding- Typ, eher mit zunehmendem Alter mehr und mehr Ballast abwerfend.
So manches, was ich noch als nützlich mit umgezogen habe, macht mich jetzt regelrecht grantig. Ich will nichts mehr brauchen können.

Nun erzählt mir jeder Raum, jede Wand, jede Decke einen halben Roman davon, was hier zu tun wäre, und zwar täglich einen neuen. Ich drimsel vor mich, streiche die Wände um, weil ich mich nicht mal mehr auf meinen Farbsinn verlassen kann, kämpfe mit meiner Selber- Boden- und Fliesenlege- Angst und wunder mich, wie man wohl leicht umziehen kann.